Wieviel Belastung ist gesund für meinen Hund?

Wieviel Belastung ist gesund für meinen Hund?

Immer wieder liest man, dass man die Belastung individuell auf seinen Hund anpassen solle – in Bezug auf körperliche wie auch auf psychische Belastung. Aber was heisst das konkret? Wir möchten heute ein wenig genauer in dieses Thema eintauchen:

 

Die körperliche Belastung

Ein Welpe braucht nicht gleich viel körperliche Belastung wie ein erwachsener Hund, dies ist uns allen zum Glück klar. Doch wie unterscheide ich nun, wann das gilt? Der Fokus hier liegt auf den Leitlinien für die täglichen Spaziergänge, klar ist aber, dass anderweitige körperliche Belastung (Hundeschule, Hundesport, Veranstaltungen etc. entsprechend mit in die Berechnung einbezogen werden müssen).

 

Bei Welpen

Oft hört man, dass man Welpen pro Lebenswoche max. 1 Minute am Tag belasten soll – z. B. ein 20 Wochen alter Welpe also 20 Minuten am Tag belastet werden darf. Nun hat der Welpe aber bereits durch seine Bewegung zuhause schon ein Mehrfaches von diesem Wert erreicht, darf er nun gar nicht mehr spazieren gehen? Hier gilt: Kontrollierte Bewegung ist um einiges gesunder für einen heranwachsenden Hund als unkontrolliertes Herumspringen und Toben mit Artgenossen. Nimm diesen "1 Min. pro Lebenswoche-Richtwert" als eben einen solchen, einen Richtwert für das tägliche Mass an spazieren gehen. Schaffe unbedingt genug Ruhepausen, so dass der Körper deines Welpens auch genug Zeit hat zu regenerieren und zu wachsen. Da sich die Wachstumsfugen je nach Hunderasse unterschiedlich schnell schliessen (z. B. sind bei einer Deutschen Dogge alle Wachstumsfugen erst im Alter von rund 1.5 Jahren geschlossen) – so muss auch die Endgrösse/Rasse des Welpens bei der Belastung eine Rolle spielen. Kann ein kleiner Hund, wie z. B. ein Pekinese, schon eher voll belastet werden, so muss gerade bei Gross- und Riesenrassen deutlich länger gewartet werden bis der Hund z. B. längere Strecken neben dem Fahrrad herlaufen darf.

 

Erwachsene Hunde

Erwachsene und gesunde (!) Hunde können körperlich voll belastet werden, wenn keine einschränkenden Elemente vorhanden sind. Es empfiehlt sich also hier regelmässig einen Check-Up beim Hundephysiotherapeuten zu absolvieren und so frühzeitig sich anbahnende Veränderungen zu erkennen.

Man soll es aber auch hier nicht übertreiben. Für tägliche Maximalbelastung sind keine Hunde geschaffen. Ruhepausen müssen geschaffen werden. Aber es ist auch kein Weltuntergang, wenn es auch mal Tage gibt, wo man es etwas ruhiger angehen lässt. Hier spielen Bauchgefühl und gesunder Menschenverstand eine entscheidende Rolle. Zwei Spaziergänge am Tag zwischen 30 und 75 Minuten sollten für einen gesunden, erwachsenen Hund aber auf jeden Fall drin liegen. Ist dies bei deinem Hund nicht der Fall? Lass ihn unbedingt durch deinen Tierarzt durchchecken.

 

Senioren

Im Alter plagen unsere Hundesenioren oft Verspannungen und Gelenkprobleme. So ist klar, dass ein 14 Jahre alter Hundesenior keine zwei 1.5-stündigen Spaziergänge am Tag mehr schaffen muss. Hier ist die goldene Regel: Lieber mehrere Spaziergänge machen, dafür kürzer in der Dauer. Auch die Ruhephasen zwischen den grösseren Spaziergängen sollten entsprechend weit gewählt werden. Zeigt dir dein Senior, dass es heute zuviel war – dann lass es morgen ruhiger angehen. Schone ihn aber nicht zuviel, denn übermässiges Schonen gibt dem Körper quasi das Signal zum Muskelabbau, und wenn man in dieser Teufelsspirale einmal drin ist, ist es sehr schwierig dem wieder zu entgehen.

 

Leistungshunde

Schlittenhunde, Diensthunde, Sporthunde auf hohem Niveau etc. sind entsprechend trainiert und sich der körperlichen Belastung gewöhnt. Meistens wissen die Halter hier ganz genau, wieviel körperliche Belastung ihrem Hund gut tut und was zuviel ist. Es lohnt sich also hier auch einmal das Gespräch mit einem erfahrenen Hundeführer aus diesen (und anderen ähnlichen Sparten) zu suchen und sich über das Thema körperliche Belastung des Hundes auszutauschen. In Kombination mit intensiver körperlicher Belastung findet man hier immer eine kompetente physiotherapeutische Begleitung, kombiniert mit Massagen, Dehnungen und Aufwärmprogrammen durch die Hundehalter.

 

Die psychische Belastung

Die psychische Belastung ist eine sehr sehr sehr individuelle Geschichte. Hier gibt es leider keine goldene Regel, die immer und überall gilt.

Junge Hunde sind es sich beispielsweise noch nicht gewohnt, 45 Minnten lang konzentriert in der Hundeschule mitzumachen und schon garnicht, wenn sie vorher schon einen längeren Spaziergang absolviert haben). Das Mass der geistigen Belastung nimmt also mit dem Alter und der Übung zu. Sei hier also immer am Ball, mach also immer mal wieder kleine Aufmerksamkeitsübungen mit deinem Hund – dies wird euch als Team langfristig zum Erfolg führen. Dein Hundetrainer gibt dir hier bestimmt Tipps, wo Ihr als Team steht und was Ihr als nächstes angehen könnt.

Bei Senioren gilt: Auch hier ist psychische Belastung noch erwünscht, wenn auch die tägliche Dosis viel kleiner ausfällt als früher. Fördere deinen Hundesenior täglich, damit er auch weiterhin Freude am Leben erfährt und gefordert wird. Dies bietet sich an, weil man gerade im Alter mit der körperlichen Belastung unweigerlich zurückfahren muss.

Gerade bei jungen und alten Hunden müssen auch immer die sie umgebenden Faktoren an die psychische Belastung angerechnet werden. Steht ein grosses Familienfest an, so ist dies für den Hund sicher eine grössere Belastung, wie wenn nur ein gemütliches Wochenende Zuhause geplant ist. Sind sonstiges Veränderungen im Gange (Umzug, Jobwechsel Besitzer, neue Inneneinrichtung etc.) so können dies auch alles Faktoren sein, die sich auf deinen Hund niederschlagen. Beobachte ihn also immer ganz genau um übermässige Belastung feststellen und entsprechend handeln zu können.

Fazit

Das körperliche und geistige Mass an Belastung ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Es gibt gewisse Richtlinien, an denen man sich orientieren kann, diese dürfen aber nie als absolut allgemeingültige Regel genommen werden. Bist du unsicher, was für deinen Hund gilt, so lass dich von entsprechenden Fachpersonen beraten und so auf deinem Weg zum ausgeglichenen Mensch-Hund-Team begleiten.

 

Sabrina Renz

Ganzheitliche Tiertherapeutin

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