Wie wirkt sich das Ziehen an der Leine auf die Gesundheit des Hundes aus?

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Hunde ziehen in unterschiedlichen Situationen und aus unterschiedlichen Gründen an der Leine. Vielleicht weil sie etwas spannendes gesehen haben, einen anderen Hund, eine Katze oder einen Bekannten, manchmal weil sie einfach schneller laufen als wir selbst und wir ihnen halt zu langsam sind, andere Hund ziehen, weil sie schlicht noch nicht gelernt haben, dass eine Leine auch durch hängen kann und das auch tun sollte. Eine oft aus mangelnder Geduld oder fälschlicherweise als Erziehungsmethode genutzte Reaktion des Menschen ist das Zurückziehen, der so genannte Leinenruck. Was dies für gesundheitliche Folgen für den Hund haben kann, erfährst Du hier im Blog:

Der Leinenruck – Was ist das genau?

Der Leinenruck wird als ein extrem starkes Zwangsmittel in der Erziehung des Hundes angesehen und wird eigentlich in keiner guten Hundeschule mehr gelernt. Trotzdem sieht man auf den Spaziergängen immer wieder zurückzuckende Leinen und am anderen Ende ein Mensch der oft verärgert ist, die Geduld verloren hat oder sich einfach nicht sicher ist, wie er auf seinen ziehenden Hund anders reagieren sollte. Denn was macht man als erstes wenn einem keine Alternativen einfallen, man zieht zurück und versucht den Hund durch ruckartiges Ziehen daran zu erinnern, dass da noch jemand am andern Ende der Leine steht. Gebracht hat es den wenigsten etwas und oft hören die Hunde bei dieser Methode auch nicht dauerhaft mit dem Ziehen auf. Aber weshalb ist diese Methode nicht erwünscht? Dazu sollte zuerst die Funktionsweise dieser Methode erklärt werden: Durch den unerwarteten Ruck an der Leine, wird beim Hund ein Schmerzreiz ausgelöst. Die Kehle und die Halswirbelsäule des Hundes ist sehr schmerzempfindlich und reagiert auf einen starken Ruck an der Leine mit Schmerzsignalen. Der Hund soll auf diese Weise sein unerwünschtes Verhalten mit dem Schmerz verbinden und mit dem Ziehen aufhören. Da diese Methode aber nicht sonderlich hundefreundlich und zudem auch für die Gesundheit des Hundes schlecht ist, sollte man dieses Problem besser mit anderen Methoden angehen (weiter unten im Blog findest Du einige Beispiele zu alternativen hundefreundlichen Methoden).

Was sind die gesundheitlichen Risiken des Leinenrucks?

Nebst den Schmerzen, die der Hund bei einem Leinenruck aushalten muss, kann es auch einige gesundheitliche Probleme geben, wenn man stark und ruckartig an der Hundeleine zieht. Zum einen gibt es sehr häufig Probleme mit dem Rücken. Dazu gehören zum Beispiel Halswirbelschäden, die laut Studie vor allem bei „ziehenden“ Hunden auftreten. Auch Symptome wie Nackenschmerzen, Kopfschmerzen und sogar Schwindel können durch Leinenruck und ständiger Zug auf der Leine verursacht werden. Im schlimmen Fall kann es sogar zu bleibenden Nervenschädigungen im Halsbereich kommen, da gewisse Nerven durch den dauernden Zug abgeklemmt werden können und so in ihrer Funktion geschädigt sind. Weiter bekannt sind auch Bandscheibenvorfälle, Arthrose und Spondylose die durch das extreme Ziehen des Hundes und das Zurückziehen des Halters stark begünstigt werden. Denn der Zug wirkt sich nicht nur im Bereich des Halses aus, sondern auch auf die Hundebeine, die ja den ganzen Hund aufrecht zu halten versuchen. Auch der Kehlkopf der Hunde ist sehr empfindlich und bei Zug auf der Leine verletzungsgefährdet. Es kann zum Beispiel zu chronischen Kehlkopfentzündungen, Kehlkopfblutungen, Nervenschäden oder zum Bruch von kleinen Knorpeln kommen. Extrem verstärkt werden diese Risiken bei Anwendung von Würge- oder Stachelhalsbändern, die zusätzlich auch noch zu Verletzungen der Luftröhre und zu starker Atemnot führen können. Zum Schluss hat der Leinenruck auch noch auf die Augen des Hundes Auswirkungen. Durch den Zug um den Hals, kann es zu einer deutlichen Steigerung des Augeninnendruckes kommen, was zu schlimmen Augenverletzungen führen kann. Bei vielen Hunden führt diese Erziehungsmethode mit dem ständigen Gegenziehen oder Leinenruck zu aggressivem Verhalten. So verbinden sie zum Beispiel den Schmerz der via Leinenruck ausgeübt wird falsch und werden in ähnlichen Situationen aggressiv anstatt dass sie mit dem Ziehen aufhören. Aus diesen vielen Gründen sollte der Leinenruck nicht angewendet, sondern bei einem ziehenden Hund mit anderen Methoden reagiert werden. Einige Alternativen sind im nächsten Abschnitt kurz beschrieben.

Wie kann ich meinem Hund das Ziehen an der Leine abgewöhnen ohne ihm zu schaden?

Zuerst braucht es einmal die geeignete Ausrüstung, um einem Hund korrekt bei zu bringen, dass eine Leine nicht gespannt sein muss. Das geht logischerweise nicht mit einer Rollleine sondern nur mit festen Leinen. Ansonsten kann der Hund gar kein Gefühl für die richtige Leinenspannung entwickeln. Um einen ziehenden Hund den Schmerz so gut es geht zu verkleinern helfen breite, weiche Halsbänder oder ein gut sitzendes Hundegeschirr anstelle eines dünnen Halsbandes. Somit ist die Ausrüstung auch schon komplett und man kann mit dem Hund beginnen zu üben:

Am besten ist immer die Arbeit mit positiver Verstärkung und in diesem Fall erreicht man das mit dem Willen des Hundes. Das Ziel eines ziehenden Hundes ist es weiter zu kommen, am Wegrand zu schnuppern, zu markieren etc. Dies ist für den Hund eine starke Motivation und beim lockeren Laufen an der Leine auch besser als Belohnung geeignet als ein Leckerli. Die Belohnung des Hundes besteht also darin, an der lockeren Leine seinen Spaziergang fortsetzen zu können. Womit können wir aber sein negatives Verhalten „bestrafen“? Das ist ganz einfach, indem wir ihm diese Belohnung entziehen. Dass bedeutet, wir bleiben stehen, sobald der Hund die Leine zu sehr spannt und verhindern somit, dass der Spaziergang weitergeht. In dem Moment, wo die Leine nicht mehr locker durchhängt, sondern sich beginnt zu spannen, bleibt man einfach stehen. Zuerst wird der Hund verwirrt sein und noch keinen Zusammenhang sehen. Nun geht man weiter, bis sich die Leine erneut zu spannen beginnt und bleibt wieder stehen. Es braucht eine Weile bis der Hund dann sein Ziehen mit dem Stehenbleiben verknüpft. Dafür ist es aber sehr wichtig, dass man konsequent ohne Ausnahmen mit dieser Methode arbeitet, damit der Hund den Zusammenhang klar und deutlich erkennen kann. Er wird dann von selbst nach einiger Zeit lockerer an der Leine gehen. Der Lerneffekt für den Hund ist nämlich folgender: Ich komme nur dann weiter, wenn die Leine durchhängt, ziehe ich zu stark, komme ich nicht vorwärts. Alternativ zum Stehenbleiben kann man aber auch einen plötzlichen Richtungswechsel durchführen. Dies ist aber vor allem eine Methode für das „Bei Fuss“ gehen des Hundes, da der Hund dabei die Aufmerksamkeit auf den Menschen richten muss und sich nicht dem schnuppern am Wegrand widmen kann.

Das waren nun unsere Infos zu den gesundheitlichen Nachteilen vom ziehenden Hund und den gefährlichen Risiken des Leinenrucks. Das Laufen an lockerer Leine ist zwar für den Hund nicht schwierig, braucht aber bei ziehenden Hunden sehr viel Geduld und Konsequenz am Anfang. Aber mit Hilfe eines Trainers oder einer guten Selbstdisziplin kriegt man die meisten Hunde soweit, dass sie an lockerer Leine spazieren gehen können.  

 

 

 

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