Wenn Hundezucht zur Tierquälerei wird

In der heutigen Zeit muss alles besser, schneller und vor allem leistungsfähiger werden. Das gilt leider auch für unsere Tiere die nicht nur in Sport und Arbeit sondern auch im Freizeitbereich immer bessere Eigenschaften besitzen sollen. Sporthunde sollen schneller, wendiger, ehrgeiziger und muskulöser werden, von Arbeitshunden erwartet man je nach Bereich starke Konzentration, Gehorsam und Ruhe. Aber auch Freizeithunde müssen immer mehr und immer verschiedenere Anforderungen erfüllen: Grösser, Kleiner, Verschiedene Fellsorten und Charakterzüge sind gefragt. So werden in der Hundezucht gewisse Eigenschaften immer stärker hervor gezüchtet, andere weggelassen und neue Sachen gekreuzt. Es entstehen Hunde mit neuen Eigenschaften aber meistens auch vielen neuen Problemen. In manchen Fällen geht es so weit, dass man sogar von Qualzuchten spricht. Was das genau ist und einige gängige Beispiele dazu findest Du im heutigen Blog:

Was ist eine Qualzucht?

Unter Qualzucht versteht man die Duldung und auch Förderung von Merkmalen in der Tierzucht, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen für die Tiere verbunden sind. Dazu gehören zum Beispiel das Verändern von wichtigen Körpermerkmalen wie der Nase, dem Rücken oder bestimmten Organen die für die Tiere oft mit gesundheitlichen Schäden verbunden sind. Von Qualzucht ist aber beispielsweise im Tierschutzgesetz nirgends die Rede. Dort sind aber einige Artikel zu finden, die das Thema Qualzucht aufgreifen. So ist zum Beispiel geregelt, dass bei Zuchttieren und deren Nachkommen keine durch das Zuchtziel bedingten Schmerzen auftreten dürfen. Ausserdem ist das Züchten von Tieren verboten, denen erblich bedingte Körperteile oder Organe für den arttypischen gebrauch fehlen oder umgestaltet sind, sodass das Tier Schmerzen erleidet. Beste Beispiele aus der Hundezucht sind zum Beispiel der Mops und der Schäferhund, deren Zuchtziele leider in Richtung Qualzucht gegangen sind, was aber gottseidank schon wieder besser geworden ist. Bim Mops wurde von der früheren Körperform ausgehend eine extrem verkürzte Nase hervorgezüchtet, die den Hunden das richtige Atmen erschwerte und somit vermehrt Krankheiten und Schmerzen hervorbrachte. Beim Schäferhund kam der einst gerade Rücken immer weiter nach unten und die Hinterhand immer weiter auf den Boden. Schräge Hunderücken mit zusammengedrückter Hinterhand führte aber vermehrt zu Gelenkproblemen vor allem zu Hüftgelenkdysplasien, was mit starken Schmerzen und einer verkürzten Lebenszeit verbunden ist. Heute sieht man zum Glück wieder etwas geradere Rücken bei den Schäferhunden, die nicht mehr so extrem zu Problemen führen.

Warum Qualzucht?

Weshalb tut der Mensch etwas, das einem Tier offensichtlich schadet? Irgendwo muss es also für den Menschen einen Vorteil mit sich bringen ein Tier so zu züchten. Dazu müssen wir uns ansehen woher der Ursprung dieser Qualzuchten kommen: In England wurden die ersten Qualzuchten hervorgebracht und präsentiert. In den vielen Zuchtclubs, die in England angesiedelt wurden, gelten extreme Züchtungen als besonders beliebt und aufsehenserregend. Mit speziellen Züchtungen und neuen „Kreationen“ lässt sich an Zuchtshows und auf dem Markt viel Geld verdienen, und dass ist der Grund, weshalb Qualzuchten überhaupt betrieben werden. Nicht mehr nur die Leistung der Tiere ist entscheidend, sondern auch neue Körpermerkmale, die noch nie gesehen wurden.

Auch im Hundesport geht die Zucht teilweise so weit, dass die ausgeprägtesten Verhaltensmerkmale so verpaart werden, dass die meisten Hundebesitzer mit den Tieren nicht mehr zu Recht kommen (dies gilt nicht nur für den Hundesport, sondern ist auch bei Pferden ein grosses Problem). Die Tiere sollen leistungsfähig sein und werden zu Sportmaschinen gezüchtet, welche extreme körperliche Beschäftigung und eine gute führende Hand benötigen. Leider sind die meisten Hundeliebhaber aber nicht in der Lage so ein extremes Sportbündel artgerecht zu halten, weshalb es häufig zu Problemen kommt.

 

Zum Glück gehen die heutigen Trends wieder eindeutig weg von Qualzuchten und überzüchteten Tieren zurück zu den ursprünglichen Rassestandards. Es ist sowohl für das Tier als auch für den Halter viel schöner, wenn die Tiere gesund und fit sind, als wenn man andauernd mit züchtungsbedingten Problemen konfrontiert ist. Der Weg zu einer Welt frei von Qualzuchten ist aber noch weit. Viele Zuchtlinien sind noch immer mit extremen Körpermerkmalen ausgestattet und werden nur sehr langsam zurück gezüchtet. Als Hundeliebhaber kann man gegen Qualzuchten vorgehen, in dem man keine solchen überzüchteten Tiere kauft, sondern auf andere Zuchtlinien zurückgreift, die gesunde Hunde hervorbringt. Das erfordert allerdings eine sehr genaue Information über die einzelnen Züchter und Rassestandards. Auch sollte eine tierärztliche Untersuchung vor dem Hundekauf nicht fehlen um eventuelle Probleme im Körperbau zu erkennen.

 

 

 

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