Palliativpflege beim alten Hund - wie wir das Leben unserer Hundesenioren erleichtern können

Palliativpflege beim alten Hund

Unsere Hunde begleiten uns jeden Tag von unserem Leben, so wie auch wir sie täglich begleiten und gemeinsam mit ihnen alt werden. Leider werden unsere geliebten Vierbeiner schneller alt als wir und wir müssen uns unweigerlich mit dem Gedanken auseinandersetzen, wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, meinen besten Freund gehen zu lassen. Bis es soweit ist, kann man noch viele Massnahmen ergreifen um dem Hundesenior das Leben zu erleichtern. Gerne möchte ich euch einige dieser Möglichkeiten vorstellen.

Physiotherapie

Die Physiotherapie kennt verschiedene Therapieformen, die gerade bei alten Hunden sehr gute greifen. Oberstes Ziel ist die Schmerzlinderung (falls Schmerzen vorhanden sind) und die Stabilisierung und das Verhindern des Muskelabbaus. Dies erreicht man über Massagen, aktive Bewegungsübungen und ergänzende Therapieformen wie Elektrotherapie, Ultraschall oder Lasertherapie. Die Regelmässigkeit ist hier das A und O, denn wenn der Muskelabbau einmal eingesetzt hat, so ist dieser kaum mehr zu verhindern oder nur noch so, dass dies mit übermässigem Stress für den Hundesenior verbunden wäre. Es lohnt sich also hier frühzeitig einmal zum Check-Up beim Physiotherapeuten vorbeizugehen. Es ist auch bekannt, dass 9 von 10 Hunden im Alter neurologische Probleme entwickeln –das heisst: Die Nerven machen schlapp. Dies erkennt man daran, dass z. B. die Zehen der Hinterhand nachschleifen, das Aufstehen schwer fällt, Inkontinenz (Harn und Kot) kann ein Thema werden etc. Auch hier bietet die Physiotherapie viele verschiedene Therapieformen an, die auf neurologische Ebene wirken. Als Hundehalter selbst kann man auch hier durch das tägliche Setzen von Reizen der entsprechenden Nerven wichtige Arbeit leisten – Dein Hundephysiotherapeut zeigt dir gerne wie!

Osteopathie

Als sanfte und ganzheitliche Behandlungsform kann mit der osteopathischen Therapie gerade für Hundesenioren eine milde Regulation angestrebt werden. Die Osteopathie behandelt Gelenke, Muskulatur, Organe sowie über die craniosacrale Therapie auch Spannungen im Bereich des Nervensystems. Gerade weil die Osteopathie so sanft wirkt, ist sie ideal um unsere Hundesenioren zu unterstützen.

Akupunktur und Akupressur

Der Ansatz der Traditionellen Chinesischen Medizin ist derjenige, dass das Qi fliessen muss, damit der Körper in seinem energetischen Gleichgewicht ist. Störungen von aussen (wie z. B. klimatische Faktoren, enorme sportliche Belastung, allgemeine Fehlbelastungen etc.) können Blockaden verursachen und so den Qi-Fluss stagnieren lassen. Qi-Blockaden verursachen Schmerzen und sollten so rasch als möglich aufgelöst werden. Als Hundehalter kann man seinen eigenen Hundesenior gut mit sanfter Akupressur unterstützen.

Management

Es gibt diverse Hilfsmittel, die den Hund darin unterstützen, wenn der Körper altert und nicht mehr zu 100% funktioniert. 

Hunderampen als Einstiegshilfe ins Auto 

Inkontinenzwindeln – zur Unterstützung bei leichter (!) Inkontinenz

Tragetücher als Hilfsmittel zum Treppensteigen

Hundeschuhe zur Verhinderung von offenen Stellen an den Pfoten 

Mantel im Winter zur Thermoregulation

Etc.

Diese Hilfsmittel sind eine wunderbare Sache. Aber es sollte immer im Rahmen des gesunden Menschenverstandes gehandelt werden. Ein Hund, der von selber nicht mehr aufstehen kann (und dies auch nie mehr können wird), ist in seiner Lebensqualität massiv eingeschränkt und hier helfen auch die besten Hilfsmittel nicht mehr. 

Belastungsanpassung

Ein alter Hund braucht nicht mehr so viel Bewegung wie ein junger Hund. Dies muss unbedingt berücksichtigt werden. Auch wenn man früher enorm viel sportliche Betätigung mit seinem Hund unternommen hat, so muss dieses Mass im Alter zurückgefahren werden-  nicht von Hundert auf Null, sondern Stück für Stück. Auch sollte man auf mehrere, dafür kürzere Spaziergänge setzen. Genügend Ruhepausen zwischen den Spaziergängen sind wichtig, damit sich der Körper erholen kann. Aber auch ein zuviel an Schonen ist kontraproduktiv und gibt dem Körper quasi den Startschuss zum Muskelabbau. Es gilt hier also das goldene Mittelmass zwischen der Belastung und optimaler Erholung zu finden. 

Fütterungsanpassung

Im Alter fährt der Stoffwechsel herunter und funktioniert nicht mehr gleich gut. Ein Futter, das eine geringere Energiedichte hat ist also ratsam. Auch ändert sich der Bedarf an Mikronährstoffen, da einerseits ein Mehrbedarf besteht, andererseits auch die Aufnahme im Alter erschwert wird. Unser Team hilft hier gerne bei der Suche nach dem optimalen Futter weiter.

Psychische Unterstützung

Ebenso wichtig wie die andern anderen Massnahmen – wenn nicht sogar am wichtigsten – ist die psychische Gesunderhaltung unserer Hundesenioren. Sie waren es sich ein Leben lang gewöhnt, gefordert zu werden, aktiv unterwegs zu sein. Nun da der Körper dies nicht mehr zu 100% mitmacht, müssen andere Wege gefunden werden um diesen psychischen Ausgleich zu erhalten. Ideal bieten sich leichte Nasenarbeitsübungen Zuhause an. Z. B. einen Wäschekorb mit zerknülltem Zeitungspapier füllen und eine Hand voll Trockenfutter oder Leckerlis darin verstecken, die der Hund nun suchen kann. Auch kann man über das sinnvolle Erarbeiten der täglichen Futterrationen hier einen psychischen Ausgleich schaffen, ohne dass der Hund ein übermässig viel Futter erhält, was sich wiederum als Übergewicht manifestieren würde.

Wo man beim jungen Hund in der ganzheitlichen Therapie auf die langfristige Selbstregulation des ganzen Körpers setzt, um so den Organismus möglichst lange gesund zu erhalten, stehen beim alten Hund die Schmerzlinderung und Stabilerhaltung des gesamten Systems im Vordergrund. Mit welcher Therapieform man dies am besten erreicht, hängt ganz vom Hundepatienten ab. Die einen lieben es mit klassischer Nadelakupunktur behandelt zu werden, währendem andere lieber auf entspannende Massagen und Wärmetherapie reagieren. Wie beim Menschen auch: Jeder Vierbeiner ist individuell und will auch individuell behandelt werden, so erreicht man den grössten Erfolg. Auch ist eine enge Begleitung durch den eigenen Tierarzt wichtig, um so frühzeitig Abweichungen zu erkennen und entsprechend handeln zu können.

Sabrina Renz

Ganzheitliche Tiertherapeutin

Foto: Stefan Lüthi 

Das könnte Dich auch interessieren

(0) Kommentare

Bitte gib die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Zum Artikel
Zum Artikel
Zum Artikel
Zum Artikel
Zum Artikel