Hunde mit Handicap


Die Veterinärmedizin macht jährlich riesen Fortschritte. Vieles, was vor einigen Jahren noch nicht möglich war, wird heute von der Humanmedizin für unsere Hunde übernommen. Wir bauen Rollwagen, Beinprothesen und Augenklappen für unsere Lieblinge. Doch was ist wirklich zum Wohle unserer Vierbeiner und ab wann, müssen wir an unseren Verstand appellieren?

Die Gründe, weswegen unsere Hunde mit einem Handicap leben müssen, sind sehr unterschiedlich. 


Wir starten bei der Qualzucht, wo die Hunde dermaßen überzüchtet werden, dass sie von den Genen eine Behinderung mittragen. Hier spreche ich von: Mopsen mit komplett eingedrückten Gesichter, Schäferhunde mit Schieflage (deformierten Rücken), Dackel mit viel zu langen Rücken oder ganz kleine Hunde, bei denen das Gehirn nicht in den Schädel passt! Und ja! Das gibt es. Die Hunderasse Cavalier King Charles Spaniel zum Beispiel, weißt diesen Defekt manchmal vor. Die Schädel sind so knöchern, dass das Gehirn schlichtweg kein Platz findet.


Neben diesen Zucht-Misserfolgen können Handicaps aber auch durch Unfälle passieren. Wir sind heute fähig, einem Hund ein Bein zu amputieren ohne ihn dabei zu töten. Ebenfalls können Augäpfel oder Ruten entfernt werden und die Chance auf eine Heilung ist groß! Schwere Erkrankungen wie Krebs oder Bandscheibenvorfälle sind oft Ursachen, für ein eingeschränktes Leben.

Meist passieren diese Ursachen unverhofft, Halter sind plötzlich von Notfallsituationen gestellt und es bleibt keine Zeit um lange nachzudenken. Die Konsequenzen, welche Hunde mit einem Handicap tragen, werden meist nicht angesprochen. Tierärzte sind darauf bedacht, dem Hund das Leben zu retten und wir Hundehalter, können nur schwer von unseren Tieren abschied nehmen. Somit ist klar, dass alles gemacht wird, dass die Vierbeiner überleben. Hightech Medizin, Zeitdruck und egoistische Liebe führt dazu, dass wir das Thema Lebensqualität für den Hund komplett vergessen!
Mir ist bewusst, dass viele Hunde dank einer Operation ein wunderschönes Leben führen! Doch was genau heißt eigentlich Lebensqualität für Hunde? 


Bei uns Menschen ist der Begriff Lebensqualität gängig. Doch jeder hat ein anderes Bild von Lebensqualität. Für die einen ist es ein schönes Leben auf dem Land mit einem Beruf in der Natur, für die anderen ein intaktes Familienleben mit Kindern und wieder ein anderer schätzt einen Job mit viel Anerkennung und eine Loft Wohnung in der Stadt. Liebe, Geborgenheit und Gesundheit stehen oft an oberster Stelle wenn man nach Lebensqualität fragt.
Für mich bedeutet Lebensqualität Zeit, Zeit mit meinem Partner, mit Freunden, mit der Familie, mit meinem Hund und Zeit für mich selbst. Gesundheit für alle die ich Liebe (und natürlich auch für die Anderen) und ein intaktes Berufsleben mit genügend Einnahmen, um die Ausgaben zu decken. 


Bei Hunden ist diese Lebensqualität nicht ganz so einfach zu eruieren wie bei Menschen. Ich kann Liv ja schlecht fragen, was für sie Lebensqualität heißt. Ich nehme an, für Liv ist Lebensqualität feines Futter, viel Zeit mit mir und coole Spatziergänge mit viel Abwechslung!

Fakt ist, die Lebensqualität hat sicher etwas mit der Hunderasse zu tun. Bedürfnisse von einem Mops sind komplett anders wie die von einem Holländischen Schäferhund! Obwohl Hunde im Gegenteil zu Menschen nicht mit ihrem Schicksal hadern, haben sie grundlegenden Ansprüche um ein schönes Leben zu führen. 


Wir haben das Thema Depressionen, Angststörungen etc. in einem der letzten Beiträge besprochen. Ein voller Napf, nette Artgenossen und ein schönes Zuhause heißt noch langen nicht, dass der Hund Glücklich ist. Hunde mit einem Rollwagen oder einem amputierten Bein können total zufrieden sein, oder den Rollwagen als Fremdkörper empfinden und sich komplett unwohl fühlen. 


Scheue Hunde, welche sich nicht gerne anfassen lassen und Kontakt zu Menschen meiden, leider zum Beispiel sehr unter täglicher Physio oder Ärztlicher Behandlung. Für Sie hat das Leben mit einem Handicap keine positive Wendung genommen, ständiger Stress und ständige Angst verfolgen die Hunde!
Wie entscheidest Du also, ob dein Hund mit Handicap ein schönes Leben führen kann?

Hier einige Anhaltspunkte:
Du als Mensch musst dir bewusst sein, dass dein Tier ständige Unterstützung und Hilfe braucht. Neben der Zuwendung und der Zeit ist es auch ein finanzieller Posten, welcher auf dich zukommt. Ich höre die Kritiker von diesem Punkt schon. Hunde sind Lebewesen und haben genau so das Recht zu Leben wie wir, das stimmt ja. Aber eine Operation, lange Therapien und Sitzungen beim Tierarzt kosten viel Geld – das muss sich jeder Hundehalter bewusst sein!


Ebenfalls sehe ich es als wichtig, dass die Hunde schmerzfrei leben! Durch das Handicap haben sie vieles, was neu gelernt werden muss, zusätzliche Schmerzen wären eine riesen Qual! Hole dir also eine Garantie ein, dass dein Hund nach der Operation keine Schmerzen mehr hat.


Bedenke, dass dein Hund weiterhin soziale Kontakte haben MUSS! Das heisst, er muss trotz seiner Behinderung immer noch fähig sein, mit Artgenossen zu kommunizieren und zu spielen. 


Die Hunde sollten ebenfalls trotz Handicap eine gewisse Selbständigkeit behalten, das heisst so viel wie, Pipi, Essen und Trinken ohne fremde Hilfe!
Auch Hunde mit Handicap haben das Bedürfnis nach Bewegung, Spiel und Neugier Verhalten! Es ist also extrem wichtig, dass die Hunde dieses Verhalten weiterhin ausleben können! 


Falls jetzt eine dieser Fragen mit Nein beantwortet worden ist, ist noch nicht alles verloren. Wichtig ist, dass es eine Aussicht gibt, dass es irgendwann so wird. Also Schmerzfrei, halbwegs selbständig etc.

Wir können die Entscheidung nicht für jeden Hund treffen. Es muss von Fall zu Fall individuell geschaut werden, wie die Hunde reagieren und wie schlimm das Handicap das Leben der einzelnen Hunde beeinträchtig! 


Wichtig ist, dass Du im Interesse von deinem Hund handelst und nicht in deinem. Egal wie hart es tönt, denke nicht an deine sondern an deinem Hund seine Gefühle!
Diese Fragen zum Thema Lebensqualität sind vor allem bei grossen Eingriffen zu bedenken. „Kleinere“ Eingriffe wie das Entfernen eines Auges oder der Rute beeinträchtigen die Hunde meist nicht so! 


Bedenke immer wieder, dass deinen Entscheidungen so gut wie möglich objektiv fallen sollten. Und kontrolliere ob dein Hund dir zeigt, dass er Freude am Leben hat!

Hunde mit Handicap im Tierheim:
Hunde mit Handicap, welche im Tierheim landen haben ein besonderes Los gezogen. Einerseits muss man Hundebesitzer, welche mit einem handicapierten Hund nicht zu Recht kommen verstehen, andererseits verstehe ich diese Entscheidung nicht! Ich bin mir bewusst, was es für eine Verantwortung ist, das Hundesport eingestellt werden muss und das Leben sich unter Umständen verändert, doch am Ende kann der Hund nichts dafür, er braucht die Liebe seiner Besitzer in einer solchen Situation um so mehr!
Wenn Du dich dafür entscheidest, einen Hund mit Handicap bei dir aufzunehmen, bewundere ich deine Liebe extrem! Wie mit allen Hunden aus dem Tierheim musst Du dir das Vertrauen zuerst erarbeiten. Je nach Handicap bzw. Ursache der Handicaps kann es sein, dass dein zukünftiger Liebling Angst vor Menschen oder gewissen Sachen wie zum Beispiel Autos hat. Versuche herauszufinden, wo und wie sich dein Liebling am wohlsten fühlt. Zögere nicht, dir einen Hundetrainer zur Hilfe zu holen. Auch mit einem Hund mit Handicap kann man in die Hundeschule, es ist nur nicht alles genau gleich machbar!

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir von Menschen erzeugte Handicaps verhindern und den Hunden, welche schwere Schicksale hatten helfen!


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