Gesetzeswirwar für Hundehalter in der Schweiz - Hier kommt der Überblick!


In meinem letzten Beitrag habe ich über diverse Einreisebestimmungen und Vorschriften in Europa berichtet. Doch wie ist es eigentlich bei uns in der Schweiz? Hast DU da den Überblick noch, wo Leinenpflicht herrscht und wo ein Rassenverbot gilt? Heute versuche ich, das gesetzliche Wirwar der einzelnen Kantone in der Schweiz grob zu entwirren.

Auslöser für den nationalen Aufschrei für ein gesamtschweizerisches Hundegesetz war ein schlimmer Vorfall mit einem Rottweiler im Jahr 2000 der einen kleinen Buben lebensbedrohlich verletzte. Weitere Beissunfälle wie im Jahr 2005 wo drei Pitbulls im Zürcher Oberland einen Jungen lebensgefährlich verletzten, schürte den Zorn in der Bevölkerung noch mehr. Die Wut gegenüber verantwortungslosen Hundehalter war gross.
Die Diskussionen über Rechte und Pflichten von Hundehalter wurde zum Dauerthema. Ob Zuhause am Familientisch oder im Parlament, der Ruf nach strengeren Gesetzten wurde immer lauter.
Nach dem Vorfall im Jahr 2005, der leider tödlich ausging, gab es nicht mehr schönzureden. Schweizerinnen und Schweizer forderten eine sofort Massnahme vom Bundesrat!
Die Handlung des Bundes zeigte sich in der nationalen Meldepflicht welche Tierärzte, Tierheimverantwortliche, Zollorgane, Hundeausbilder sowie Humanmediziner verpflichte, Vorfälle zu melden. Unter Vorfällen werden hier stark aggressive Hunde und Bissverletzungen von Hunden an Menschen oder an Hunden oder anderen Tieren verstanden.
Diese Meldepflicht ermöglichte eine Hochrechnung der jährlichen Hundeattacken auf Menschen. Eine Studie der Suva kam auf geschätzt 9 500 Hundebissen im Jahr welche medizinische Betreuung forderten.

Die Registrierung per Chip wurde per Januar 2007 eingeführt, dies war der optimale Zeitpunkt, um ein Hundegesetz aufzugleisen.
Leider warten wir bis Heute auf dieses Gesetz! Die gesamtschweizerische Lösung wurde im Dezember 2010 vom Nationalrat abgeschmettert! Die Begründung für diese Nichtdurchführung war unter anderem, dass es ganze fünf Jahre dauern würde, bis ein Bundesgesetzt verabschiedet wird. Eine weitere Begründung ist bzw. war, dass einige Kantone wie Thurgau, Genf oder Zürich bereits eigene, strengere Gesetzte aufgleisten als die, die auf Bundesebene vorgesehen waren. Diese Punkte führten dazu, dass das Parlament keine Gesamtlösung für die Schweiz erarbeitete. Und deswegen herrscht heute ein grosses gesetzliches Chaos!
Jeder Kanton kann selberentscheiden wie er mit den jeweiligen Themen umgehen möchte. Die Entscheidungen und Beschlüsse sind teilweise extrem abweichend von einander! Die Kantone Uri und Zug zum Beispiel, warten bis Heute auf eine gesamtschweizerische Lösung! Zürich und Genf hingegen haben sogar strenge Hunderassenverbote! Dies hat zur Konsequenz, dass ein Halter von einer verbotenen Rasse nicht in den Kanton ziehen kann! Die Problematik führt aber weiter! Auch zum Thema Leinenpflicht hat jeder Kanton sein eigenes Schema. Ein Hundehalter der im Kanton Zürich am Waldrand ohne Leine mit seinem Hund spaziert und dabei die Grenze zum Aargau übertritt, kann unter Umständen je nach Monat mit einer Busse rechnen!
Wer also mit seinem Vierbeiner die Kantonsgrenze überschreitet, tut gut daran, sich genau über die entsprechenden Gegebenheiten vor Ort zu informieren.
Um Geldstrafen und unangenehme Situationen zu vermeiden habe ich für Dich eine Auflistung erstellt!


Um die Auflistung zu vereinfachen, führe ich nur die Kantone auf, welche zu den jeweiligen Themen eine spezielle Regelung haben. Alle anderen Kantone sind jeweils diesen Themen gegenüber neutral.

Folgende Kantone haben ein Hunderassenverbot:
Freiburg: American Pitbull und seine Kreuzungen sowie Kreuzungen von Listenhunden
Genf: 15 Rassen und immer wieder neue dazu!
Schwyz: Pro Gemeinde anders
Wallis: 12 Rassen und deren Kreuzungen
Zürich: Rassetypen-Liste II (8 Rassen und Mischlinge mit mehr als 10 Prozent Blutanteil der Rasse

Hier kommt dazu, dass die Kantone Halterbewilligungen für „Listenhunde“ verlangt in:
Aargau: 7 Rassen und deren Kreuzungen
Basel: 8 Rassen und deren Kreuzungen sowie auffällige Verhalten und Erscheinungsbilder
Freiburg: für 14 Rassen
Schaffhausen: 14 Rassen und deren Kreuzungen
Solothurn: 8 Rassen und deren Kreuzungen
Thurgau: 14 Rassen und deren Kreuzungen
Tessin: 30 Rassen
Waadt: 3 Rassen inkl. Kreuzungen
Wallis: Sonderbewilligung für 12 Rassen wenn vor dem 1. März 2006 geboren und sterilisiert.
Zürich: Für die verbotenen Hunde wenn die vor dem 01. Januar 2010 angeschafft worden sind.
Dann kommt die Regel, die eine Halterbewilligung nach Grösse und Gewicht fordert in:
Genf: Ab 25 Kilo und einer Grösse über 56 Zentimeter
Thurgau: Ab 15 Kilo
Zürich: Ja, alle Hunde der Rassentypenliste 1

In folgenden Kursen musst Du einen Erziehungskurs machen (zum SKN dazu):
Aargau, Basel, Freiburg, Genf, Solothurn und Zürich: für alle bewilligungspflichten Hunde

Zum Thema Leinen/ und Maulkorbpflicht haben wir ja in Europa schon einige Vorschriften, hier wären die Landesinternen:
Folgende Kantone berufen sich darauf, gefährlichen oder bissigen Hunden eine Maulkorbpflicht zu erteilen: AG, AI/AR, BL/BS, FR, GE, GR, LU, NE, SH, SO, TG, TI, VD, VS und ZH

 

Hier kommt dazu, dass die Kantone Halterbewilligungen für „Listenhunde“ verlangt in:
Aargau: 7 Rassen und deren Kreuzungen
Basel: 8 Rassen und deren Kreuzungen sowie auffällige Verhalten und Erscheinungsbilder

 

Zu diesen Punkten kommt noch ein Wesenstest. Dieser ist in folgenden Kantonen verankert:
In Freiburg und Zürich müssen Hunde, welche einen gemeldeten Vorfall hatten, einen Wesenstest machen.
Im Kanton Graubünden müssen Hunde, welche verhaltensauffällig sind einen solchen Test bestehen.
Im Kanton Wallis und Waadt müssen alle Hunde welche als gefährlich eingestuft sind, diesen Wesenstest absolvieren.

Zu guter Letzt möchte ich noch einen finanziellen Unterschied aufzeigen. Die Hundesteuer fällt in den Kantonen wie folgt aus (wir gehen von einem Hund pro Haushalt aus) :
AG: CHF 115.-
AI: CHF 100.-
AR: CHF 80.-
BE: wird gerade überarbeitet
BS : CHF 160.-
FR: Gemeindeautonomie (max. CHF 200.-)
LU: CHF 120.-
NW: CHF 120.-
SG: CHF 60.-
SH: CHF 100.- bis CHF 200.- je nach Gemeinde
SZ: CHF 50.-
TG: CHF 80.-
TI: CHF 50.-
ZH: CHF 70.- bis 200.- je nach Gemeinde
In allen anderen Kantonen ist es eine Angelegenheit der jeweiligen Gemeinden.

Fazit:
Bei der Recherche dieser Informationen habe ich mich immer wieder über Begriffe wie „gefährliche Hunde“ oder „verhaltensauffällige Hunde“ genervt! Was ist ein gefährlicher Hund? Muss ein Listenhund also automatisch ein gefährlicher Hund sein? Und ein Schäferhund der locker einen Menschen aus dem Stand schwer verletzten kann ist dann? Lieb? Für mich sind solche „Verallgemeinisierungen“ eher schwierig. Ich empfehle euch also, bei jedem Umzug die Gemeinde direkt anzurufen, oder noch besser einen Brief oder ein E-Mail zu schreiben und die Vorschriften für Hundehalter anzufordern. Welche Hunderassen genau verboten sind oder Leinen bzw. Maulkorbpflicht haben, müssten dir die Angestellten der Gemeinde mitteilen können.
Gerade Genf und Tessin machen sich meiner Meinung nach bei Hundeliebhaber sehr unbeliebt, für mich als allgemeiner Hunde Fan wäre das ein Grund, diesen Kanton einmal weniger zu besuchen!

 

 

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