Der Zwerg ist da!

Nach langem Abwägen, Recherchieren und Planen ist Mitte November bei uns ein Welpe eingezogen: Tschipolin, ein Cocker Spaniel aus Arbeitslinie (ein so genannter „WorkingCocker“) aus der Zucht von Nathalie Couneson in Belgien (http://users.belgacom.net/of.glharama/) kam mit acht Wochen zu uns.

Ich möchte euch in diesem Artikel den kleinen Tschipolin etwas näher vorstellen und beschreiben, wie meine ersten Wochen mit einem Welpen aussehen.

Für mich gibt es in der ersten Zeit mit einem Welpen zwei wichtige Pfeiler:

• Zeit, um die neue Familie (Zwei- und Vierbeiner) und die nahe Umgebung kennenzulernen.

• Schlafen können in einer Box (nachts, aber vor allem auch tagsüber).

Vielleicht dünkt euch das nun etwas wenig? Ja, ich weiss. Aber ich bin kein Fan von einem überfüllten Welpenalltag mit täglichen Ausflügen, Welpentraining, Welpenspielstunden, Sozialisierungsstunden und was weiss ich noch alles. Denn meiner Meinung nach geht dabei das Wesentliche zu schnell vergessen; nämlich dass man Zeit dafür hat, damit der Welpe in seinem Tempo seine neue Umgebung kennenlernen kann, bis er sich heimisch fühlt. Und dazu gehört auch, dass ich Zeit habe, den Kleinen in ruhigen Situationen kennenzulernen, damit wir nach und nach zu einem Team zusammenwachsen können. Was hilft es mir, wenn ich in den ersten drei Wochen den Welpen an x Orte geschleppt habe, er aber noch gar nicht wirklich zu Hause ist, weder mich noch meine Verhaltensweisen kennt und dadurch sein Hirn gar nicht bereit dafür ist, Neues zu verarbeiten?

Die erste Woche war ich mit Tschipolin zu Hause und er lernte unseren Tagesablauf, die Familie und Ylva kennen. Für mich hiess das: Um 6.30 aufstehen, Welpe aus der Kiste nehmen (also das war der Plan; Tschipi kuschelt aber lieber noch ein paar Minuten in der offenen Kiste mit meiner Hand, bevor er dann hervortapst), schnell den Zwerg auf den Arm und mit Taschenlampe bewaffnet in den Garten. Erste kurze Gute-Morgen-Sequenz auf dem mit Vetbeds ausgelegten Boden mit Ylva, dann erste Fressportion für die beiden richten und die Kids wecken. Nächste Pinkelrunde im Garten, Frühstück der Kids (mit Zwergenquatsch unter und neben dem Tisch) und dann wandert der Zwerg wieder in die Kiste: Nächste Schlafrunde ist angesagt. Natürlich gab es da zu Beginn Protest, aber nach zwei Tagen war es Tschipolin klar, dass für die nächsten ein bis zwei Stunden nichts mehr Spannendes für ihn passieren wird, er noch etwas an seinen Hautstreifen oder Baumwollseilen rumkauen und dann einschlafen kann.

In dieser Zeit machte ich etwas mit Ylva, widmete mich dem Haushalt oder erledigte Büroarbeiten am Computer. Sobald Tschipi erwachte, war die nächste Runde in den Garten angesagt. In den Wachphasen dazwischen lernten wir uns besser kennen; was für Spielzeug mag er? Zeigt er Tendenzen, um Ressourcen zu verteidigen? Wenn ja, was genau und in welchen Situationen? Wie reagiert er auf meine Stimmlagen? Wie reagiert er auf Bewegungsreize und Alltagsgeräusche wie Mixer, Radio, Kinderstimmen usw.? Wie geht er mit Ylva und innerartlicher Kommunikation um? Wie geht er mit den Kindern um?

Ich merkte bald, dass Tschipolin mit Ylva zwar korrekt, aber doch eher fordernd und frech kommuniziert, obwohl Ylva sehr klar und direktiv kommuniziert. Aus solchen Beobachtungen plane ich dann jeweils für die kommende Zeit gezielt Hundekontakte: Welche erwachsenen Hunde kenne ich, die klar (aber fair) mit Welpen kommunizieren? Welche bewusst Grenzen setzen und einfordern, ohne dass dies jedoch in einen Kontrollwahn gegenüber dem Welpen ausartet? Gegenüber Menschen zeigt sich Tschipolin interessiert, freundlich, zu Beginn jedoch eher zurückhaltend. Auch dies gab mir Hinweise, wie und wo ich Kontakte mit für ihn fremden Menschen organisieren wollte.

Nach einer Woche begann ich mit Tschipolin etwas grössere Kreise zu ziehen; ich organisierte mal ein Treffen mit einem erwachsenen Hund und Tschipolin durfte in einer kontrollierten Situation diesen Hund kennenlernen. Natürlich wurden keine Rennspiele zugelassen und ich achtete darauf, nach etwa zehn Minuten eine Pause einzulegen und nach weiteren fünf bis zehn Minuten Begegnung machten wir uns wieder auf den Heimweg. Für diesen Tag plante ich dann auch keine weiteren neuen Erlebnisse ein. Es ist mir wichtig, dass das Hirn Zeit findet, neue Erlebnisse zu verarbeiten und einzuordnen.

Auch gab es nun hin und wieder kurze Ausflüge von vielleicht 10 Minuten; wir eroberten zu zweit ein Stoppelfeld, besuchten ein Tierfachgeschäft, schauten einem Traktor beim Pflügen oder Pferden beim Fressen zu. Danach war dann jeweils wieder Schlafen in der Box angesagt und der Rest des Tages fand in gewohnter Umgebung statt.

Und alle, die nun auf die Welpenspieltage warten: Ja, Tschipolin soll Kontakte mit Welpen haben, um seine Kommunikation und sozialen Fähigkeiten mit ähnlich Starken zu erproben. Jedoch ist es mir wichtig, dass in Welpengruppen die Sozialkontakte kontrolliert und gezielt (also nicht nach Alter oder Grösse, sondern nach Charakter) zugelassen werden (dazu gehört auch, dass bei Mobbing und Rennspielen kompetent eingegriffen wird) und dass neben diesen Kontakten auch andere Dinge auf dem Programm stehen wie Ruhe finden bei seinem Menschen (trotz anderer Hunde), in Kontakt treten können mit seinem Menschen bei Ablenkung, Umgang mit Frust usw. Auch bei Welpengruppen achte ich darauf, dass Tschipolin vorher und nachher viel und genügend Schlaf findet.

Und was trainiere ich nun mit Tschipolin? Was kann er schon (das ist übrigens meine Lieblingsfrage)? Nichts. Er kann kein Sitz oder Platz und auch sonst nichts. Wozu auch? Momentan sind diese Dinge schlicht nicht wichtig. Für all diese Dinge bleibt mir dann noch ein Leben lang Zeit. Ich konditioniere ihn beim Fressen auf die Pfeife (wenn er frisst, pfeife ich) und setze diesen Pfiff auch dann ein, wenn er sich draussen gerade zu mir hinstürzt und kurz davor ist, sich sein Futterstück abzuholen. Hin und wieder gibt’s eine kurze Übung in Impulskontrolle (ich halte z.B. ein Futterstück in die Luft und warte kommentarlos, bis er aufhört zu hüpfen und zu springen. Sobald er einen Moment ruhig ist, bekommt er das Futter oder die Gittertüre der Box geht erst auf, wenn er sich einen Moment zurücknehmen kann usw.) oder ich mache mit ihm Balanceübungen für sein Körpergefühl auf einem flachen, aufblasbaren Physiotherapie-Kissen. Aber ich halte nichts davon, einen Welpen schon mit Sitz, Platz usw. „abzufüllen“, bevor ich eine gesicherte Kommunikation und Bindung zu ihm habe.

Unsere Tage sehen von aussen also ziemlich langweilig aus. Dafür habe ich einen Welpen, der von 22 Uhr bis 06.30 ruhig durchschläft, sich sicher an mich gebunden hat und mit klarem Kopf in der Lage ist, die Welt zu erkunden.

Ich bin sehr glücklich mit dem kleinen Zwerg, der sich ganz toll zeigt und freue mich auf die kommende Zeit, in der es noch sehr viel zu Beobachten geben wird. Schritt für Schritt werden wir nun zuerst einander und dann die Welt kennenlernen.

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