Das Trauma beim Hund

Es gibt Hunde, die für uns Menschen sehr schwierig zu verstehen sind und die wegen ihrem sehr auffälligen Verhalten von Familie zu Pflegestelle weitergereicht werden, da niemand mit ihnen klar kommt. Oft landen solche Tiere nach einigen Jahren in einem Tierheim oder wenn sie wirklich Pech haben auf dem Tisch des nächsten Tierarztes um die tödliche Spritze zu erhalten. Es gibt aber auch Hunde, die Glück haben und zu einem Besitzer kommen, der die Zeit und Geduld aufbringt seinem vierbeinigen Freund aus seinen Schwierigkeiten heraus helfen zu wollen. Hunde haben genau wie wir Menschen eine sehr empfindliche Psyche und reagieren auf Angst, Frust und Gefahr manchmal mit Aggressionen oder damit sich komplett vor der Welt zu verschliessen. Was aber genau die Unterschiede zwischen Angst, Furcht und einem Trauma sind und wie man einem traumatisierten Hund helfen kann, das kannst Du in unserem heutigen Blog lesen:


Was ist genau ein Trauma beim Hund und worin liegt der Unterschied zur Angst?




Furcht und Angst bezeichnen bei einem Hund das starke Unwohlsein bei der Begegnung mit etwas Unbekanntem oder gefährlich Wirkendem. Symptome eines ängstlichen Hundes sind beispielsweise eine eingeklemmte Rute, starkes Speicheln und Stresshecheln. Falls der Zustand der Angst dauerhaft wird, zeigen sich auch im allgemeinen Verhalten des Hundes starke Veränderungen wie zum Beispiel verstärkte Wachsamkeit und eine sehr hohe Schreckhaftigkeit. Furcht und Angst entstammen aber ursprünglich dem natürlichen Verhalten eines jeden Hundes und ist somit bei fast jedem Tier ab und zu ersichtlich. Angst hat den Sinn das Tier vor Gefahren zu schützen und wenn nötig die Flucht ein zu leiten. Oft ist Angst aber ein Produkt von negativen oder mangelnden Erfahrungen mit ungefährlichen Gegenständen oder Situationen. Hunde, die Angst haben reagieren meist als erstes mit Flucht, falls das nicht klappt kommt bei manchen Hunden die Aggression, die von Knurren bis hin zu einem Angriff gehen kann, und falls auch das den Hund nicht aus seiner Situation holt, kommt die Hilflosigkeit ins Spiel. Bei der Hilflosigkeit wirkt der Hund oft abwesend, lässt sich anfassen und alles über sich ergehen und wehrt sich kaum noch. Aus einer solchen Situation kann ein Trauma entstehen:


Von einem Trauma spricht man dann, wenn die Angstsituationen denen ein Hund ausgesetzt wurde die Verarbeitungsmechanismen des Hundes stark Überfordern und der Hund diese Situationen nie hinter sich lassen konnte. Wie oben beschrieben ist dies oft der Fall, wenn der Hund sich nicht aus einer beängstigenden Situation befreien kann und ihm weder Flucht noch aggressives Verhalten möglich sind beziehungsweise helfen. Wenn der Hund sich hilflos ausgeliefert fühlt, reagiert er oft nicht mehr und fällt in ein Trauma. Hunde die unter einem Trauma leiden erstarren, bewegen sich wenn überhaupt nur noch wie in Zeitlupe, können Kot oder Urin nicht mehr halten, haben oft stark geweitete Pupillen und sind nicht mehr ansprechbar. Einen Hund aus dem Trauma zu befreien ist deshalb ein sehr langer Weg!


Wie man einen Hund aus dem Trauma befreien kann hängt von sehr vielen Faktoren ab und ist bei jedem Hund stark unterschiedlich. Auf jeden Fall sollte man sich Hilfe bei einem Spezialisten suchen und darauf achten, dass man sich auch genügend Zeit nimmt. Ich möchte hier in diesem Blog ein Beispiel von einem traumatisierten Hund bringen, der es dank der Geduld des Hundetrainers und seiner Besitzer aus seinem Trauma heraus geschafft hat und den Weg zurück in ein normales, stressfreies Hundeleben gefunden hat:
Es geht um einen Hund, der jahrelang von Besitzer zu Besitzer weiter gegeben wurde und bei niemandem lange bleiben durfte. Grund dafür ist, dass er sich von niemandem anfassen lässt. Der Hund hat panische Angst vor Händen und Berührungen. Wird er trotzdem einmal angefasst, was ja bei einem Hund ab und zu sein muss, beginnt er um sich zu beissen und verkrampft sich total. Meistens versteckt sich der Hund irgendwo im Haus, gleichzeitig hat er aber auch Angst davor allein gelassen zu werden. Leider bleiben Traumas meist nicht nur im psychischen Bereich sondern weiten sich auch auf körperlicher Ebene aus, so dass der Hund in diesem Beispiel kaum mehr gefressen hat, oft alles wieder erbrach und deshalb ein Besuch beim Tierarzt unvermeidlich war. Während der Behandlung wechselte der Hund von ängstlich und abwesend zu aggressiv und bissig. Auch das unkontrollierte Urinieren gehört zu seinen Trauma Symptomen. Oft ist der erste Schritt aus einem Trauma ohne medikamentöse Hilfe nicht möglich. Danach folgen ganz langsame Übungen um das Vertrauen zum Besitzer (wieder)herzustellen. Beispielweise gab es in diesem Beispiel wenige kurze Berührungsübungen pro Tag, denn nach einigen Minuten war der Hund vor lauter Stress sehr müde und erschöpft. Durch geduldiges Arbeiten und langsamen Aufbau des Vertrauens kommt immer mehr des ursprünglichen Hundecharakters wieder zum Vorschein. Der Hund frisst besser, und legt seine Scheu Schritt für Schritt ab. Langsam beginnt der Hund die Berührungen nicht mehr nur zu dulden sondern auch zu geniessen und sich dabei zu entspannen. Bei diesem Hund lag eine unbekannte Vergangenheit vor, niemand weiss wie es zu seinem Trauma gekommen ist. Die Hilflosigkeit und die fehlende Kontinuität in seinem Leben haben den Hund zu einem traumatisierten und kranken Lebewesen gemacht, das sich unter intensiver Betreuung innerhalb eines Jahres wieder zu einem freundlichen und gesunden Hund zurück verwandelt hat. Leider gibt es immer noch zu wenige Menschen, die die Geduld aufbringen einem solchen Tier zu helfen und auch bei Rückschlägen nicht sofort aufzugeben!


Stresssituationen für Hunde werden in unserem Alltag immer häufiger:




In der heutigen Zeit ist oft auch der Stress ein Auslöser für traumatisierte Hunde. Die schnelle Entwicklung der Welt zieht extrem viele Wechsel mit sich, die einen empfindlicheren Hund schnell aus dem Gleichgewicht werfen können. Umzüge, Besitzerwechsel, das Abschieben des Hundes in ein Tierheim, Zeitmangel und Stress beim Besitzer, das alles macht der Hund mit und viel zu oft übersieht man dabei sein Leiden. Wenn der Hund sich dann wehrt, wird er oft bestraft oder eingeschüchtert anstelle dessen, dass der Versuch unternommen wird die Gründe für sein Verhalten zu verstehen. Bei Hunden deren Vergangenheit wir nicht kennen, können wir mit Therapien und viel Geduld oft viel erreichen und bei Hunden, die noch keine Anzeichen zeigen, sollten wir auf folgendes achten: Ein Hund sollte eine Stresssituation immer verarbeiten können, falls Du als Besitzer dazu Hilfe benötigst, frage bei einem Hundetrainer über geeignete Methoden nach.


Was Du bereits vorsorglich für Deinen Hund tun kannst, ist dafür zu sorgen, dass er ausgeglichen ist. Dazu wichtig ist eine ausgewogene Ernährung, ein ruhiger Schlafplatz, an den Dein Hund sich zurück ziehen kann, wenn ihm danach ist, ausgiebige Spiel- und Trainingsstunden, die Du zusammen mit Deinem Hund verbringen solltest um ihn zu fordern, zu bewegen und euer gegenseitiges Vertrauen zu fördern und natürlich auch ruhige Pflege- und Kuschelstunden. Beobachte das Verhalten Deines Hundes täglich um Dir ein Bild zu machen wie es ihm geht. Falls in irgend einer Situation häufiger Anzeichen der Angst sichtbar sind, solltest Du frühzeitig einmal einen Besuch beim Hundetrainer machen und diese Problematik ansprechen. Denn aus kleinen Angstsituationen muss nicht immer gleich ein Trauma entstehen, wenn man seinem Hund sofort die nötige Sicherheit geben kann um ihm die Angst wieder zu nehmen.

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