Das Trapped Neutrophil Syndrome(TNS)

Das Trapped Neutrophil Syndrome(TNS)

Das Trapped Neutrophil Syndrome ist eine weit verbreitete Krankheit bei den Hunden der Hunderasse „Border Collie.“ Da sie trotz ihrer Verbreitung sehr unbekannt ist, möchte ich die Krankheit vorstellen, deren Krankheitsbild erläutern und an einen spannenden Fallbeispiel die Situation an den Mann bringen.

Was ist das Trapped Neutrophil Syndrome?

Das Trapped Neutrophil Syndrome ist eine Erbkrankheit, die meistens nur die Welpen betrifft. Bei dem o.g. Syndrom handelt es sich um eine Erkrankung des Blutes. Normalerweise bildet das Knochenmark die in grosser Anzahl vorhandenen weissen Blutkörperchen aus, welche u.a. aus basophilen, eosinophilen und neutrophilen Granlulozyten bestehen. Nach deren Ausreifung werden bei intakten Tieren diese Blutzellen in das Blut aufgenommen. Die wichtige weisse Blutkörperchen-Untergruppe der Neutrophilen Granulozyten sind bei der hier beschriebenen Erkrankung betroffen. Bei Tieren die eine Mutation zeigen und somit erkranken, werden zwar im Knochenmark diese Neutrophilen Granulozyten gebildet, dennoch können sie nicht in den Blutkreislauf aufgenommen werden. Dies bedeutet, dass die weissen Blutkörperchen nicht mehr ihren ursprünglichen Sinn verfolgen können: Diese Blutkörperchen sind für die Lebewesen ungemein wichtig. Durch sie kann der Körper Viren und Bakterien abhalten sich zu verbreiten, indem sie die Schädlinge abtöten und schützen den Betroffenen vor schlimmen Schicksalsschlägen. Bei der „TNS“ werden eben genau diese Blutkörperchen nicht in die Blutbahn aufgenommen und stehen somit der Abwehr von Krankheitserregern nicht zur Verfügung. Das Immunsystem des Patienten ist durch die Mutation geschwächt: Ein kleiner Schnupfen oder eine andere leichte Erkrankungen können somit zum Tod des Opfers führen. Daraus zu schliessen ist, dass gerade frisch geborene betroffene Welpen sich nicht durch ihr intaktes Immunsystem schützen können und somit deutlich schnell erkranken können als gesunde Welpen.

Worauf muss man nun beim Züchten achten, wenn einer der Hunde mit „TNS“ befallen ist?

„TNS“ steht für Trapped Neutrophil Syndrome und ist eine autosomal rezessiv vererbte Erkrankung . Gerade die Welpen sind am härtesten betroffen, da man über den Ausbruch der Krankheit nicht genau sagen kann, wann und wie stark dies der Fall sein wird. Wenn erstmal ein Welpe erkrankt und man kann dies nicht richtig diagnostizieren, geschieht es sehr oft, dass sie in Laufe der ersten paar Monaten sterben.
Doch nun steht die Frage im Raum, wie man am besten züchten sollte, um diese Krankheit zu vermeiden und worauf man als Käufer achten sollte, um nicht an einen Welpen zu geraten, der genau dieses Syndrome aufweist.
Die seltene Erkrankung kommt erst dann zur Ausbildung eines Krankheitsbildes, wenn es sich bei der Anpaarung um einen genetisch autosomal rezessiven Erbgang handelt. Autosomal rezessiv bedeutet, dass beide Elternteile von der Krankheit betroffen sein müssen, also beide Träger dieses krankmachenden Gens sein müssen, um dies gesichert an ihre Welpen weiter zu vererben.

Weswegen ist diese Krankheit immer noch unbekannt?

Es gibt anscheinend mehrere Gründe, weshalb man diese Krankheit nicht sofort erkennt: Die Krankheit ist nicht unbekannt, doch gibt es nur sehr wenige veröffentlichte Fallbeispiele, die ebenfalls zur Verbreitung der Informationen dienen könnten. Die „TNS“ ist zudem eine selten beschriebene Krankheit, da sich Tierärzte aufgrund der wenigen Einzelfälle meist nicht besonders intensiv mit dem Thema beschäftigen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Symptome, wie z.B. eine Neutropenie (Erniedrigte Neutrophile Granluozyntenanzahl im Blut) nicht eindeutig sind und viele Differentialdiagnosen gestellt werden können, bevor man durch langwierige Tests und Ausschlussdiagnosen auf die Generkrankung stösst.
Wie gesagt treten die ersten Anzeichen sehr unterschiedlich auf. Sie variieren zwischen Alter und Intensivität der Krankheit.

Ebenfalls zeigt das Blutbild nicht immer die entscheidende Werte an: Man kann hierbei nicht immer bei erniedrigten Werten der Neutrophilen Granulozytenanzahl rückwirkend auf eine TNS-Erkrankung schliessen. Wer also den Verdacht hat , dass sein Hund „TNS“ hat, sollte sich nicht alleine auf die sogenannten positiven Werte freuen. Denn nicht immer zeigt es im Blutbild die zu niedrigen weissen Blutkörperchen an. Somit ist auch nicht nur auf den Bluttest Verlass.

Auch sollte man beachten, dass es sich bei der „TNS“-Erkrankung um eine Autoimmun-Erkrankung handelt.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei den Patienten nicht immer die gleichen Symptome auftreten, welche sich je nach Alter unterscheiden und kaum Regelmässigkeiten aufweisen.
Schlussendlich ist zu sagen, dass man zu wenig über die Krankheit weiss. Daher passiert es sehr oft, dass Tierärzte die korrekte Krankheit mit dem "Fading puppy syndrom" verwechseln. "Fading puppy syndrom" bedeutet so viel wie „Welpensterben/Welpenschwund“. Auch bei dieser Krankheit verschlechtert sich zunehmend die Vitalität bis es zum Tod des Tieres kommt.

Das „Trapped Neutrophil Syndrome“ und ein Fallbeispiel zur besseren Verbildlichung der Krankheit:

Mit diesem Fallbericht über einen Border Collie Patienten möchte ich erläutern, wie schwierig und interessant es ist, solch eine Krankheit zu diagnostizieren und zu therapieren. Der Fall stammt aus der Tiermedizinerzeitung „Kleintier Medizin“ vom 02.11.2011. Auf der Seite 84 bis 92 geht es um einen neun Wochen alten Border Collie Welpen, der wegen verschiedenen Symptomen, wie Lahmheit in eine Tierklinik zur Untersuchung gegeben wurde. Er wies 41 Grad Fieber auf. Der Hund konnte ohne Unterstützung nicht mehr stehen. Nach weiteren Untersuchungen ergab es sich, dass man herausfand, dass der Welpe ebenfalls eine zu niedrige Anzahl an weissen Blutkörperchen hatte. Insgesamt wies er somit eine hochgradige Neutropenie, eine nicht regenerative Anämie und starke Fieberschübe auf.

Nun zur Fallbeschreibung im Allgemeinen:

Wie gesagt handelt es sich bei unserem Fall um einen Collie Welpen, der mit 3,6 Kg wegen wässrigem Durchfall , Apathie, Lahmheit und Verkrümmung der Vorderbeine eingeliefert wurde. Die kleine Dame stammte aus einem Wurf, indem es eine Tot Geburt gab und weitere neun Geschwisterchen. Alle waren sie reinrassige Collies. Neben ihr waren auch noch weitere Geschwister sehr matt und wiesen Fieberschübe auf. Diese starben kurz darauf im Alter von ein paar wenigen Wochen.

Zur klinischen Untersuchung ist zu sagen, dass der Welpe vermehrte Fieberschübe aufwies und an einen schlechten Allgemeinzustand litt. Auch waren seine Schleimhäute blass und vom Verhalten her war der Hund sehr apathisch. Die erhöhten Puls- und Atemfrequenzen waren ebenfalls nur in Schüben vorhanden, welche sich immer wieder beruhigten, dann aber wieder plötzlich ausbrachen. Auch sehr spannend war zu erkennen, dass beim Schmerztest herauskam, dass alle vier Röhrenknochen sehr deutlich auf die Schmerzprovokation reagierten. Auch waren vermehrte Darmgeräusche zu hören.

Erschwerend kam dazu, dass der Welpe zwangsernährt werden musste. Er verweigerte die ersten Tage die komplette Nahrung und Wasseraufnahme. Zum Glück funktionierte diese Art der künstlichen Ernährung und der Welpe fing schnell wieder an selbständig zu fressen. Trotzdem war sein Zustand sehr kritisch, da seine Fieberschübe in Kombination mit Futterverweigerung und weiteren schrecklichen Symptomen, seinen sonst schon schwierigen Zustand nicht unterstützten, sondern herunterzogen. In dieser schweren und leidigen Phase erlebten die Pfleger und Tierärzte ein kleines Wunder. Der schwache Welpe nahm stets zu.

Blut- und Gentests brachten die entscheidenden Hinweise auf die Diagnose: Dadurch dass sie durch labordiagnostischen Untersuchungen, Auswertung von klinischen Symptomen und einer bildgebenden Diagnostik mehr erfuhren kamen sie auf die richtige Diagnose. Hierbei wurden Sie durch die Universität von New South Wales stark unterstützt, welche einen Gentest durchführte und in diesem bestätigte, dass es sich bei unserem erkrankten Welpen um das „Trapped Neutrophil Symptom“ handelt.

Daraus schlossen die Tiermediziner, dass es sich hier um die hier beschriebene autosomal-rezessive Erberkrankung handelt. Der Welpe stellte sich als ein homozygoter Träger der Mutation TNS heraus.

Dank der intensiven Behandlung in der, der Hund Antibiotika , Ergänzungsfuttermittel, Infusionen und viel Aufmerksamkeit bekam, überlebte er bis zum Erscheinen des Artikels.

Bis jetzt gibt es keine genauen Tests und richtigen Behandlungsmethoden. Vor allem die Border Collie Besitzer sollten bei ihren Welpen ein wachsames Auge bewahren und bei den kleinesten Symptomen ihren Tierarzt des Vertrauens dazu ziehen. Auch sollte man, wenn man den kleinsten Verdacht hegt, sehr schnell reagieren und besonders darauf achten, ernst genommen zu werden.



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