Beruhigungsmittel für den Hund – Was sind die Vor- und Nachteile?

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In der heutigen immer stressiger werdenden Zeit kommt es sowohl bei Menschen als auch bei unseren Tieren öfter zu stressbedingtem Verhalten. So zeigen viele unserer Haustiere auffällige Verhaltensprobleme, die dem Stress in ihrem Alltag zugeschrieben werden können. Wie wir solches Verhalten verhindern können oder falls es schon vorhanden ist wieder rückgängig machen können wollen wir heute in unserem Blog anschauen. Das Augenmerk soll im heutigen Bericht vor allem auf den eher neu erschienenen Beruhigungsmitteln liegen, die es nun auch für Hunde gibt. Weiter werden die Vor- und Nachteile dieser Mittel hier aufgeführt. Immer mehr neu erschienene Probleme werden mit Medikamenten gelöst, ob das sinnvoll ist und was die Alternativen sind, erfährst Du hier:

Stress im heutigen Hundealltag sorgt für unruhige Hunde:

Viele Hunde leiden heute unter Trennungsängsten, Stress und sind in vielen Situationen sehr unruhig. Die Ursachen dafür liegen einerseits in der immer schneller laufenden Welt und dem Druck der Arbeitswelt die uns mit Stress belastet, den unsere Hunde natürlich ebenfalls spüren. Der immer hektischer werdende Alltag ist vor alle für junge und ängstlichere Hunde oft eine grosse Herausforderung, die zu Reizüberflutungen und damit verbundenem starkem Stress führen können. Dadurch fangen viele Hunde mit einem unerwünschten Stressverhalten an, was man als Verhaltensstörung bezeichnet. Dafür gibt es viele verschiedene Lösungen, die je nach Hund und Situation etwas anders aussehen. Natürlich ist es am besten das Stressniveau für den Hund zu senken, aber leider ist uns das nicht immer möglich und wir müssen deshalb zu anderen Mitteln greifen. Eines davon sind die seit einiger Zeit erhältlichen Beruhigungsmittel für den Hund.

Clomicalm & Co – Die Beruhigungsmittel für den Hund

Natürlich ist es auch der Pharmazie nicht entgangen, dass auch bei Tieren der Stress immer grösser wird und in diesem Bereich ein neuer Markt entsteht. Deshalb sind in verschiedenen Ländern und von verschiedenen Firmen Wirkstoffe gesucht und gefunden worden, die nun als Medikamente für den Hund erhältlich sind. Die unterschiedlichen Mittel enthalten teilweise unterschiedliche Inhaltsstoffe und wirken dementsprechend nicht alle exakt gleich, weshalb wir sie hier kurz vergleichen wollen. Seit einigen Jahren wird von der Firma Novartis ein Medikament zur Behandlung von Trennungsängsten beim Hund angeboten. Clomicalm, wie das beruhigende Medikament genannt wird, ist ein verschreibungspflichtiges Medikament, das von einem Tierarzt verordnet werden kann. Der darin enthaltene Wirkstoff Clomipramin wird bei Menschen schon einiges länger eingesetzt und zwar in Medikamenten, die gegen Depressionen helfen sollen. Auch bei Katzen wird dieser Stoff bereits gegen Verhaltensstörungen eingesetzt. Das für Menschen und Tiere die selben Wirkstoffe eingesetzt werden können ist kaum verwunderlich. Schliesslich haben alle Säugetiere ein sehr ähnlich aufgebautes Nervensystem und reagieren deshalb auch ähnlich auf bestimmte Stoffe. Der Wirkstoff Clomipramin wirkt anregend auf die Hormonproduktion des Botenstoffes Serotonin, der die Rolle eines Glückhormons inne hat. Die Wirkung vom Serotonin, dass im Körper bereits vorhanden ist wird somit verstärkt und bei Menschen führt das zu einem positiven Stimmungsgefühl. Auch bei Tieren wirkt dieses Hormon zufrieden stellend und macht deshalb nervöse oder ängstliche Tiere ruhiger. Verhaltensänderungen, die auf Grund von Stress auftreten, können so minimiert werden, da der Stresslevel der Tiere gesenkt wird.

Natürlich ist Clomicalm aber nicht das einzige Medikament, das zu diesem Zweck eingesetzt wird. Zum Beispiel wurde der Wirkstoff Clomipramin beim Menschen von der Modedroge Fluctin ersetzt, die in den USA als Prozac bekannt ist. Und auch für Tiere gibt es nun schon Medikamente, die mit diesem Inhaltsstoff versehen sind, der beinahe gleich wirkt wie das Clomipramin. Aber auch aus anderen Ländern werden Medikamente zur Beruhigung von Hunden angeboten. Die frazösische Firma Sanofi hat ein Medikament auf den Markt gebracht, dass mit dem Wirkstoff Selegilin funktioniert. Auch dieser Stoff ist schon länger bekannt und aus der Parkinsonbehandlung. Bei der Parkinsonkrankheit tritt ein unkontrollierbares Zittern auf, das mit diesem Wirkstoff beruhigt werden kann. Auch der von der Firma Pfizer verwendete Wirkstoff Anipryl kommt aus der Parkinsontherapie und wird schon eine Weile für die Behandlung von Hunden eingesetzt. Doch ist diese Entwicklung mit immer mehr Verhaltenssteuernden Medikamenten für unsere Hunde wirklich das Beste?

Das Verhalten von Hunden wird immer öfter zum „Problem“:

Hunde, die anhand von Verhaltensänderungen zeigen, dass ihnen irgendwie nicht wohl ist, werden mit beruhigenden Medikamenten ruhig gestellt. Das ist aber keine Lösung für das Problem! Die Hunde werden medikamentös an das Umfeld angepasst, was früher nicht nötig war. Die stressige Zeit und häufiger werdende Haltungsfehler der Besitzer können und sollen nicht nur anhand von Medikamenten „gelöst“ werden. So hilft eine Pille dem Hund nicht wirklich seine Trennungsangst in den Griff zu kriegen, sondern stellt ihn einfach ruhig. Viel wichtiger wäre es jedoch dem Hund klar zu machen, dass ein vorübergehender Abschied nichts Schlimmes ist und er sich auch ohne Medikamente keine Sorgen zu machen braucht. Dies kann zum Beispiel mit einem neuen Abschiedsritual geschehen, aber natürlich braucht dieser Weg der Therapie Zeit und Geduld. Es kann Jahre dauern bis ein Hund absolut frei von Angst ist und Rückfälle sind jederzeit möglich. Deshalb ist eine Kombination die beste Lösung. Gezielte medikamentöse Unterstützung ermöglicht es dem Hund schneller zu lernen und sich an eine neue Situation besser zu gewöhnen. Wenn der Hund durch die Medikamente seine Angst vergisst und mit dem neuen Ritual und Verhalten gut zu Recht kommt, kann man die Medikamente langsam ausschleichen. So wird dem Tier am schnellsten und am stressfreiesten klar, dass er keine Angst haben muss und ein stressfreies Abschiednehmen wird möglich sein.

Sinn und Unsinn von Beruhigungsmitteln für den Hund:

Die Meinungen über den Sinn dieser Beruhigungsmittel beim Hund gehen sehr weit auseinander. Zusammenfassend würde ich sagen, dass in allen Fällen zuerst ohne Medikamente versucht werden soll am Verhalten des Tieres zu arbeiten. In diesen Fällen helfen Dir gerne Hundetrainer weiter und finden vielleicht sehr schnell eine gute Lösung. Falls die Geduld einfach nicht ausreicht und sich das Verhalten des Hundes kaum bessert, gibt es die Möglichkeit in Beratung mit einem guten Tierarzt für eine kurze Zeit eines der oben genannten Medikamente einzusetzen, die dem Hund helfen für eine Weile aus dieser Angst auszubrechen und sich auf dich und das Training zu konzentrieren. Denn mit einem angstfreien Hund kann man viel schneller etwas erlernen und Erfolge verzeichnen. Sobald das klappt sollte das Medikament aber auch wieder abgesetzt werden und danach natürlich weiterhin mit dem Hund an den gemeinsamen Problemen arbeiten. So wird schlussendlich jeder Hund zu einem ausgeglichenen und ruhigen Partner. Hoffentlich auch ohne Beruhigungsmittel.

 

 

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