Angsthasen an Silvester

Die meisten Menschen schätzen und lieben den Schweizer Nationalfeiertag, mit seiner Zeit für Geselligkeit und nutzen auch gern die Möglichkeit zum Abschuss von Feuerwerkskörpern.

Unsere Vierbeiner, die zweimal höhere Frequenzen als Menschen und diese auf grösserer Distanz hören können, sehen diesem Tag und anderen Schuss/ Knall- Tagen nicht so positiv entgegen. Hunde und Katzen laufen panisch vor Schreck bei Knallgeräuschen an der Leine oder wollen gleich gar nicht die Haustüre verlassen. Für einige Vierbeiner geht die Qual dann im Haus/ der Wohnung weiter und sie suchen verängstigt zitternd Schutz unter einem Tisch oder im Keller. 

Es gibt verschiedene Auslösefaktoren bei Geräuschempfindlichkeit, die zu diesem Verhalten führen: 


Fehlende oder negativ gemachte Erfahrungen

Viele Hunde erschrecken, wenn Sie zum ersten Mal einen lauten Knall oder Schuss hören. Häufig liegt das auch daran, dass (Hobby)Züchter sich in der Sozialisierungsphase gar nicht oder zu wenig mit den Welpen ausserhalb der Wohnung oder des Hauses aufhalten bzw. die Welpen zu früh, ohne gemachte Grunderfahrungen, die Welpenstube verlassen müssen. Der Welpe orientiert sich bei Umweltreizen (Geräusche, bewegte Objekte, etc.) stets an seiner Mutterhündin. Bleibt diese gelassen, wird auch der Welpe dieses Verhalten übernehmen. Eine wesensstarke, sichere und ruhige Mutterhündin ist somit das A und O einer guten (Auf)Zucht. 

Falsche Bestätigung durch den Hundehalter

Aber auch eine spätere Geräuschempfindlichkeit bei Knall oder Schuss kann entstehen, da sich nun der Hund am Rudelpartner Mensch orientiert. Meist erschrickt auch der Hundehalter kurz bei einem Knall oder Schuss, zuckt zusammen, bleibt stehen und blickt um sich. Dann folgt meist ein menschlicher, jedoch gravierender Fehler: Der Hundehalter will seinen Hund bei Unsicherheit- bzw. Angstsymptomen, wie Zusammenzucken, winseln und verkriechen beruhigen und beschützen und streichelt diesen bzw. redet auf ihn ein. Viele kleine Hunde werden dann meist sofort auf den Arm genommen. Dieses freundlich gemeinte Verhalten fördert jedoch die Unsicher- bzw.- Ängstlichkeit des Hundes enorm und gibt ihm nur noch mehr zu verstehen, dass das Geräusch etwas furchtbar Schlimmes war. Denn wenn nicht, würde der Hundehalter ja normal im Programm weiterverfahren. Daher ist es wichtig, dass der Hundehalter sich nach einem Geräusch nicht dem Hund zuwendet, sondern normal in seiner vorherigen Handlung weitermacht. Sonst steigert sich das Verhalten des Hundes immer mehr.

Dem Hund- Mensch- Team kann geholfen werden. 

Für ein Training ist es wichtig, genau einzuschätzen bzw. einschätzen zu lassen, ob Ihr Hund unsicher oder ängstlich und ob eine leichte bzw. schwere Geräuschempfindlichkeit vorliegt. Auch muss der Auslöser, welcher das Verhalten des Hundes hervorruft, genau identifiziert sein. Erst danach kann man, je nach Erkenntnis, das Training starten. 

Desensibilisierung: Nachdem eine Liste mit allen Auslöser- Geräuschen erstellt worden ist, beginnt man, jedes Auslöse-Geräusch einzeln, als „normal“ zu besetzen. Dafür nimmt man z.B. das Auslöse- Geräusch auf Tonband auf und spielt es dann erst ganz leise, später lauter in einer Endlosschleife zu verschiedenen Tageszeiten ab. Begonnen wird dabei unter Aufsicht, erst in sicherer Umgebung z.B. im Haus und später auch draussen. Ideal eignen sich dafür Sound- CD´s mit zig verschiedenen aufgenommenen Geräuschen, die es im Tiersortiment zu kaufen gibt. 

Hundeartikel: Da geräuschempfindliche Hunde häufig bei Panik in die Flucht gehen, sollten sie sich stets nur gut abgesichert draussen bewegen dürfen. Die häufigste Gefahrenquelle, ist ein nicht korrekt angelegtes Halsband mit Einfachklickverschluss. Generell sollte das Halsband stets am Hund so anliegen, dass der Hundehalter noch 1-2 Finger zwischen Hundehals und Halsband schieben kann. Nur so ist gewährleistet, dass der Hund in Panik nicht aus dem Halsband schlüpfen kann bzw. sich das Halsband falsch am Hundehals verschiebt. Aufpassen muss man bei Halsbändern aus Nylon. Dieses Gewebe hat die Angewohnheit, sich nach Nässeeinwirkung zu weiten und zu verstellen. Ideal eignen sich Lederhalsbänder mit Lochsystem oder Halsbänder mit Doppelklicksystem. Hier findest Du ein geeignetes Lederhalsband. Das Halsband sollte 1/3 des Hundehalses einnehmen. Bei Panikhunden ist auch eine doppelte Absicherung über Halsband und ein Geschirr möglich. Geräuschempfindliche Hunde sollten immer über eine Leine bzw. lange Schleppleine abgesichert werden. Zudem muss der eigene Garten ausbruchsicher eingezäunt sein.

Für einige Hunde eignen sich auch „Angst-Westen“. Diese Westen (Thundershirts) werden um den Hund gelegt und geben diesem, durch sanften Druck, ein Gefühl von Sicherheit.

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Homöopathie: Bei vielen Hunden kann eine gezielte (Zu)Gabe von pflanzlichen Stoffen den Trainingsfortschritt enorm fördern. Auch SOS- Tropfen haben sich bewährt. Ein/e Homöopath/in in Ihrer Nähe kann Ihnen gezielt weiterhelfen.

Geeignete Unterbringung: Um die gemachten Trainingsfortschritte nicht zu zerstören bzw. den Hund vor Panik zu schützen, bietet es sich an, den Hund an starken Geräuschtagen in Räumen ohne Knall unterzubringen (Keller) oder sogar den Orte zu wechseln bzw. zu verlassen. Gehen Sie an Silvester und 1. August lang und ausgiebig am Morgen und Mittag laufen und lassen Sie den Hund danach geschützt und unter Beobachtung im Haus/ Wohnung. So können am schönsten Tag im Jahr alle Freude haben.

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