Angst 2.0: Wie erkenne ich, ob mein Hund Angst hat und was kann ich dagegen tun?


Nach meinem letzten Beitrag über die Ursachen von Angststörungen bei Hunden werden wir Heute das Thema Angst noch ein wenig genauer anschauen. Unser Kernthema ist also:
Was sind genaue Anzeichen von Angst und wie kann ich Hilfestellungen leisten?

Anzeichen von Angst:

Wir unterscheiden hier von hörbaren, sichtbaren und subtilen Anzeichen von Angst bei Hunden.

Hörbare Anzeichen sind: Jaulen, Winseln, Knurren, Heulen, Schreien, Bellen, Kläffen.

Als sichtbare Anzeichen bezeichnet man: Zittern, Hecheln, erweiterte Pupillen, angespannte Muskeln, starke Speichelbildung, Unruhe, Rastlosigkeit, Gähnen, Beschwichtigungssignale wie Mundwinkel lecken oder schmatzen.

Subtile Anzeichen sind all die Anzeichen, welche nicht so offensichtlich zu erkennen sind. Hier sprechen wir von flacher Atmung, verstärktem Kratzen und oder Schütteln, Unruhe, Hyperaktivität, Schweisspfoten und schlechtes Fell.

Neben diesen offensichtlichen Anzeichen kann man Hunde sehr gut anhand von der Körpersprache einschätzen. Ängste überwinden, kann also bei einer guten Analyse der Körpersprache beginnen!

Stress und grosse Angst:
Der Schwanz ist eingeklemmt, die Körperhaltung geduckt, die Ohren sind zurückgelegt und die Pupillen sind geweitet. Wichtig hier sind auch die zurückgezogenen Mundwinkel welche man immer gut im Auge behalten sollte!


Furcht und passive Unterwerfung :
Bei Furcht legt sich der Hund auf den Rücken und gibt so Bauch und Kehle frei. Der Schwanz wird an den Körper gezogen die Ohren flach zurück gelegt und der Kopf auf die Seite gedreht.

Furcht und aktive Unterwerfung:
Hier legt der Hund sich nicht auf den Rücken. Der Schwanz ist gesenkt, der Körper geduckt, meist ist eine Pfote angehoben, die Hunde lecken sich die Mundwinkel.

Furcht und Aggression:
Auch hier haben wir eine geduckte Körperhaltung, die Haare sind jedoch gestellt, der Nasenrücken ist in Falten gelegt und die Lippen leicht hochgezogen.



Du erkennst solche Verhaltensmuster bei Deinem Hund? Nun, wahrscheinlich verbindet Dein Liebling irgend etwas Erlebtes mit negativen Erinnerungen. Nun möchte ich mit Dir versuchen, das Problem zu lösen.

Merke dir als Grundregel. Ängstliche Hunde darfst Du nie zu etwas zwingen. Gehe nie frontal auf sie zu und versuche Berührungen von der Seite und nicht von oben herab auszuführen.

Regeln, Kontrolle, Übung:

Du bestimmst, wann Du mit Deinem Hund die Angst bekämpfst. Vermeide möglichst unverhoffte und unkontrollierbare Ereignisse. Wichtig ist, dass Du in Problemsituationen immer den gleichen Weg gehst. So kann sich Dein Hund darauf einstellen, was ihn erwartet. Du musst Geduld haben und Deinem Hund zugleich Grenzen setzen, Verständnis zeigen und trotzdem immer wieder einen Schritt weiter gehen. Oberste Priorität: Lasse Deinen Hund niemals im Stich! 


Mein Beispiel mit Liv:
Das Problem, dass Liv mit offenen Plätzen und Schatten hat, zeichnete sich rasch als ziemlich kompliziert aus. Wie soll ich bitte am Abend bei Flutlicht in die Hundeschule wenn mein Hund vor jedem Schatten davon rennt. Also hiess es, Schatten Training. Liv ist der passive Typ, dass heisst, sie weicht vor Gefahren zurück. Somit habe ich mein Problemlösungsweg wie folgt aufgestellt. Immer wenn Liv gewichen ist, also schnelles und extremes zurückfallen oder stehenbleiben und verharren, habe ich die Schritte verkleinert. Millimeter für Millimeter musste Liv sich diesem Schatten nähern. Am Anfang reichten mir zwei drei kleine Schritte in Richtung Schatten, nur dass sie aus der Verharrung heraus kam und sich bewegte, war für mich ein Erfolgt. Danach durfte Sie ins Auto und dieser Abschnitt der Arbeit war getan.
Klar ist es damit nicht gemachd. Um die Übungen trotzdem zu machen trainierte ich im Winter in der Tiefgarage, ohne Schatten natürlich. Auf dem Hundeplatz waren die trainierten Einheiten am Schluss so selbstverständlich, dass die Schatten gar keine Rolle mehr spielten. Heute kann ich Schatten durch Menschen oder Gegenstände provozieren und Liv läuft ohne Probleme daran vorbei! 


Um solche Resultate zu erreichen braucht es in erster Linie Geduld, Zeit und ein wenig Kreativität von Dir und Deinem Hundetrainer. Danke hier gleich mal an Conny! Ohne Conny könnte ich Heute keine Texte über Angstbewältigung schreiben! 


Bindungsaufbau, wie werden wir Freunde?

Ob Dein Hund ängstlich ist oder nicht, eine gute Bindung zwischen euch ist ein absolutes Muss! Das Vertrauen jeder Partnerschaft muss man sich erarbeiten. Bei ängstlichen Hunden ist dieser Part extrem wichtig. Mit ihrer misstrauischen Haltung allem und jedem Gegenüber machen sie es einem am Anfang nicht ganz einfach. Konsequente Erziehung, klare Hierarchie und geregelte Abläufe sind für ängstliche Hunde extrem wichtig. Es ist praktisch das Einzige, auf das sie sich immer verlassen können.
Beweise Deinem Vierbeiner, dass Du ihn beschützt und auf ihn aufpasst.
Am besten trainiert man dies durch aktive Beschäftigung. Bindung stärkt sich durch positive Erinnerungen. Gemeinsame Stunden festigen die Beziehung extrem. Achte darauf, dass Dein Hund immer einbezogen wird. Wechsle die Anforderungen je nach Zustand des Hundes und versuche aus jeder Situation mit positivem Ende abzuschliessen, auch wenn dein Ziel eventuell nicht erreicht wurde. Plane Ausflüge mit dem Zug, mit dem Auto oder Velo, bringe Abwechslung in den Alltag und setzte Dich und Deinen Hund immer wieder vor neue Situationen! 


Du kannst Probleme also auch spielerisch und im Alltag angehen.

Obwohl Liv ängstlich und schreckhaft war, musste sie von Anfang an überall mit hinkommen. Klar kam ich mir manchmal echt als „Rabenmutter“ vor aber im Nachhinein weiss ich, dass die vielen positiven Ausflüge in die Stadt oder auf den Kinderspielplatz ihr ein gewisses Selbstvertrauen gaben. Es ist wichtig, dass du für solche Übungen deinen Hund ganz genau beobachtest. Liv hatte grosse Angst vor Kinder. Folglich wäre eine direkte Konfrontation ziemlich schlecht ausgegangen. Ich verlagerte meine Übungseinheiten von der Tiefgarage auf die Wiese neben dem Kinderspielplatz. Vorerst trainierte ich nur am Mittag, wo praktisch keine Kinder da waren. Rennende und herumtobende kleine Jung waren für Liv wirklich schlimm. Hier war die Reaktion auch nicht passiv, sondern aktiv. Das heisst sie vermittelte mir durch knurren und aufgestellten Haaren ganz klar: „Der soll mir ja nicht zu nahe kommen“! Ich liess Liv also nie ab der Leine und versuchte die Situationen einzuschätzen. Nach mehreren Stunden Training konnte ich bereits am Abend bei grösserem Trubel auf die Wiese. Kleine Übungen mit Sitz und Platz reichten mir schon aus. Letzte Woche hatte ich mein Etappenziel erreicht. Wir übten „Frei ablegen“ an einem Mittwochabend mit ca. 10 Kindern als Zuschauer. Liv war komplett entspannt und konnte die Übung ohne Komplikationen ausführen. 


Lerne Deinem Hund zu vertrauen, nur so kann er auch Dir vertrauen!

Körperliches Wohlbefinden:

Für unsichere Hunde ist körperliche Auslastung extrem wichtig. Bewegung baut Stress und Aggressionen ab und fördert wie oben beschrieben die Bindung zum Menschen. Achte auf gesunde Ernährung mit möglichst wenig künstlichen Zusätzen. Gute, langlebige Kauartikel sind für gestresste und ängstliche Hunde sehr wichtig. Beim Kauen entspannt der Hund sich.
Bei unsicheren Hunden ist die Einplanung von Pausen essenziell. Gelerntes und Erlebtes muss verarbeitet werden, überfordert also eure Hunde nicht.

Klar ist, dass Gewalt keine Lösung ist! Es erübrigt sich also zu erwähnen, dass Handgreiflichkeit bei ängstlichen Hunden die Angststörung nur noch verstärkt!

Körperliches Wohlbefinden:

Für unsichere Hunde ist körperliche Auslastung extrem wichtig. Bewegung baut Stress und Aggressionen ab und fördert wie oben beschrieben die Bindung zum Menschen. Achte auf gesunde Ernährung mit möglichst wenig künstlichen Zusätzen. Gute, langlebige Kauartikel sind für gestresste und ängstliche Hunde sehr wichtig. Beim Kauen entspannt der Hund sich.
Bei unsicheren Hunden ist die Einplanung von Pausen essenziell. Gelerntes und Erlebtes muss verarbeitet werden, überfordert also eure Hunde nicht.

Klar ist, dass Gewalt keine Lösung ist! Es erübrigt sich also zu erwähnen, dass Handgreiflichkeit bei ängstlichen Hunden die Angststörung nur noch verstärkt!

Nun weisst Du, wie Du Angst erkennen kannst und was Du als Hundeführer zur Bekämpfung von Angststörungen beitragen musst. Nächstes Mal möchte ich Dir noch aufzeigen, was Du deinem Hund zusätzlich noch geben kannst um sich besser zu entspannen und die Angst in den Griff zu bekommen!

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