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Angst 1.0: Warum hat mein Hund Angst?


In den nächsten Beiträgen werde ich mich mit dem Thema Angst auseinander setzten.
Heute starten wir das Kapitel mit den Grundlagen und den Ursachen zum Thema Angst:
Körperliche oder psychische Ursachen lösen bei Hunden Angst aus. Diese Angststörungen sind leider sehr häufig und unsere Hunde leiden sehr. Es beeinträchtig das Wohlbefinden schwerwiegend! Die Vielzahl an Symptomen macht die Ursachenfindung ausserordentlich schwer. Hunde, welche unter Angststörungen leiden müssen unbedingt tierärztlich behandelt und untersucht werden. Die meist erkannte Ursache von Angstzuständen bei Hunden ist eine Entwicklungsstörung in der Aufzucht oder während der Tragezeit im Mutterleib. Das heisst, die Welpen wurden sehr Reiz arm und mit schlechten Erfahrungen aufgezogen oder haben bereits im Bauch der Mutter schlechte Einflüsse mitbekommen.

Zwischen Furcht, Angst, Phobie, Ängstlichkeit und Stress gibt es wesentliche und wichtige Unterschiede. Aus diesem Grund beginnen wir mal mit der Definition der einzelnen Zustände.
Furcht:
In Furcht-Zustand zeigt der Hund eine Reaktion auf etwas Bekanntes oder Unbekanntes das er als ein wenig gefährlich ein stuft. Die Hunde sind aber hier immer in der Lage den Reizfaktor zu erforschen und bei zu viel Gefahr zu flüchten.
Angst:
Bei einer Reaktion im Angstzustand ist die Auswirkung viel heftiger als bei Furcht. Der Hund schätzt den Reiz als extrem gefährlich ein und ist in dieser Situation nicht fähig zu Analysieren, Erforschen oder Flüchten. In solchen Fällen erkennt man die Angst sofort an körperlichen Symptomen wie Hecheln, erhöhte Herzfrequenz und Speicheln.
Phobie:
Eine Phobie ist eine Reaktion auf etwas Bekanntes. Die negative Verbindung sitzt so tief, dass der Angstzustand auch in anderen Situationen und Gegebenheiten abgeleitet und übertragen wird. Typische Phobien sind zum Beispiel vor: Männer, lauten Knallen, Menschen mit Hüten oder Kapuzen, andern Hunden etc. Der Hund ist nicht mehr in der Lage, abzuschätzen, dass zum Beispiel nicht alle Männer gefährlich sind.
Ängstlichkeit:
Ein Hund der an dauernder Ängstlichkeit leidet verharrt in einem Zustand der Angst. Meist ist es ein passiver Angstzustand, nicht so extrem wie die oben genannte Angsthaltung, jedoch mit ähnlichen Symptomen. Die Reize der Umwelt und die übersteigerte Wachsamkeit führen zu einem Teufelskreis. Der Hund ist ständig auf der Hut vor gefährlichen Situationen, Gegenstände, Menschen etc. Er kompensiert seine Angst durch Erbrechen, Speicheln etc. Schlimm ist es, wenn die Hunde durch diesen Zustand leicht reizbar und aggressiv werden. Hunde nehmen also eine automatische, ständige Verteidigungshaltung ein. Alles was nach Feind aussieht, wird angegriffen. Das andere Extrem ist der Hund, welcher allen Situationen gegenüber komplett gehemmt und zurückhaltend ist, er probiert praktisch nichts von selbst aus und erlangt keine Eigenständigkeit. Beide Typen können sich schlecht entspannen und fühlen sich ständig unwohl.
Stress:
Wie wir Menschen benötigen auch Hunde das Stresshormon um zu arbeiten und dem Körper nötige Energie für den Tagesablauf zu liefern. Bei Angst, Aufregung, Schmerzen oder Bedrohung wird jedoch zu viel von diesem Hormon ausgeschüttet und der Hund kommt in einen Stresszustand. Hier sprechen wir also von einer Überdosis eines Hormones. Meistens tritt diese Überdosis dann auf, wenn die Hunde vor einer Situation stehen, welche sie nicht als machbar empfinden.

Warum hat mein Hund überhaupt Angst:

In der Wildnis müssen alle Tiere „Angst“ haben. Rehe haben vor dem Wolf Angst, der Wolf hat vor dem Menschen Angst. Ohne eine angeborene und instinktive Furcht hätten die Tiere keine Überlebenschance.
Unsere Haushunde haben genetische und erworbene Ängste in sich. Diese genetischen Ängste nennt man Urängste, man kann diese zwar abtrainieren und durch gute Gewöhnung in den Griff bekommen, sie schlummern aber in jedem Hund. Positive Erlebnisse und gute Erfahrungen können diese Urängste ebenfalls schwinden lassen.
Hierzu zählen: enge, dunkle Räume, laute Geräusche wie Gewitter, das Verlassen werden (ohne Rudel zu sein) und die Angst vor aufrechtgehenden Gegner (der Bär).

Die Prägung der Welpen:

Eine gute Sozialisierungsphase der Welpen alleine reicht nicht aus. Die Hundebabys werden bereits währen der Trächtigkeit im Bauch der Mutterhündin beeinflusst. Berührungen wie Streicheln beeinflussen die Entwicklung der Gehirne der Welpen. Wir können uns nur vorstellen, was in dieser wichtigen Zeit alles aufgenommen wird. Klar ist, dass die Babys das Umfeld der Mutter war nehmen. So können Welpen von misshandelten Muttertieren schon im Bauch Schäden davon tragen!
Geschmacks-, Wärme-, Tast- und Geruchssinn der Welpen sind vom ersten Tag nach der Geburt schon entwickelt. Sie nehmen die Reize also ab dem ersten Tag schon war! Sehen und Hören folgt etwas später. Eure Welpen werden bis zur 12. Woche massgebend geprägt. Die Umgebung und das Umfeld sind entscheidend für den Werdegang der Kleinen.
Wir können also davon ausgehen, dass Welpen welche in einer reizarmen und uninteressanten Umwelt aufwachsen ein bleibendes Defizit im Gehirn haben. Dieser strukturelle Mangel wird das ganze Leben bleiben.
Diese Reiz arme Aufzucht führen zu einem sogenannten Deprivationssyndrom.

Deprivationssyndrom:

Hunde welche in einer eintönigen „Welt“ aufgezogen wurden, leiden wie oben schon beschrieben an Defiziten in der Gehirnstruktur. Durch diesen Mangel können sie mit den vielen Umwelteinflüssen nicht umgehen.
Bei einem Deprivationssyndrom reagieren die Hunde zuerst mit einer Phobie vor allem Neuem. Bald lebt er in einem Dauerzustand von Angst. Die sogenannte deprivationsbedingte Ängstlichkeit. Schnell lernen die Hunde, dass ein aggressives Verhalten alles fern haltet, was gefährlich wirken könnte. Durch die chronische Erkrankung und die stressbedingte Aggression sind die Hunde nur zu einer geringen Selbstkontrolle fähig. Diese explosive Kombination stellt für die Öffentlichkeit und das Umfeld dieser Hunde eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar! Dieser ständige Stress und die dazugehörige Angst zwingen Hunde dazu, sich übermässig an eine Person zu binden. Dies löst dann die nächste bekannte Angststörung aus.

Die trennungsbedingte Angststörung:

Die Anwesenheit mit seinem Bezugsmenschen gibt dem Hund die nötige Stabilität und Sicherheit. Die Besitzer werden zur Lösung von allen Problemen!
Sobald Frauchen oder Herrchen aber nicht mehr dabei sind, bricht die Welt zusammen und eine typische Reaktion ist Bellen, Heulen oder Winseln um auf sich aufmerksam zu machen. Folgen einer solchen Angststörung können enorm sein. Hunde bauen Stress durch kauen ab, wenn der Hund also alleine ist, beginnt der Stressabbau durch Kauen auf Möbel etc. Auch wenn wir Nachhause kommen und uns ein unterwürfiger Hund empfängt, weiss der Hund nicht, was er gemacht hat! Hunde kombinieren, wenn also Herrchen und ein kaputter Schuh aufeinander treffen gibt es Ärger. Das für ihn sinnvolle Verhalten vor zwei Stunden sieht er nicht als Auslöser für die Wut vom Herrchen. Klar ist, dass eine unfreundliche Reaktion das Angstproblem nur noch vergrössert. Eine Zurückweisung der einzigen Bezugsperson ist für solche Hunde unverständlich! Trennungsbedingte Angststörung kann man jedoch durch Training gut in den Griff bekommen.

Liv:

Mit dem Thema Angst musste ich mich mit meiner Hündin schon früh auseinander setzten. Aus einer Notsituation wurde die Mutter von Liv von einer Züchterin aufgenommen. Verängstigt und eingeschüchtert bekam die Labradorhündin dann sieben kleine Welpen. Durch Zufälle bin ich im Internet auf den Wurf aufmerksam geworden. Die hübschen Welpen gefielen mir von Anfang an. Die Zuchtstätte machte für mich einen guten Eindruck. Klar die Mutterhündin liess sich praktisch nicht anfassen doch jugendlicher Leichtsinn und meine Ader für hilfsbedürftige Wesen liessen mich am selben Abend den Vertrag für Liv unterschreiben. Obwohl sie nicht zu mir kam, alleine im Regen draussen sass als alle anderen mit Fressen beschäftig waren, hat es mir das kleine charismatische Mädchen sofort angetan. Meine Freundin ermahnte mich, mir diese Entscheidung gut zu überlegen und die Situation realistisch einzuschätzen, der Zeitpunkt für realistische Einschätzungen war aber schon vorbei. Nach mehreren Besuchen erwies sich Liv dann doch als ein wenig Zutraulich und als ich das letzte Mal auf Besuch war, schaute sie mir sehnsüchtig am Gitter nach. Ich vergesse den Tag, an dem Liv zu mir kam nie mehr. Bei meiner Freundin und ihrer Mutter holte ich mir alle Tipps und Tricks für die ersten Tage. Hunde Box, Hundenapf, Leine, Futter alles stand bereit. Anfänglich sollte ich Liv nicht alleine lassen aber trotzdem Staubsaugen, ein wenig Besuch empfangen und ihr ihren Freiraum lassen. Soweit so gut. Das kleine Ding schlief auf der ganzen Heimfahrt tief und fest. Als ich sie Zuhause mit Wasser und zwei drei Leckerli willkommen hiess, musste sie noch eine kleine Runde raus um ihr Geschäft zu machen. Schnell wurde uns klar, mit diesem Hund stimmt etwas nicht. Klar was sie frisch bei mir, aber sie hatte draussen auf der Wiese panische Angst. Sie lief im Dunkeln praktisch keinen Schritt, auf offenen, grossen Plätzen blockierte sie mir jegliches Weitergehen. Der Staubsauger war Feindbild Nummer eins. Ihr Futter liess sie zwei ganze Tage stehen und sie versteckte sich entweder unter dem Bett oder in ihrer Box im hintersten Eck. Sie verhielt sich zurückhaltend, scheu und extrem ängstlich. Besuch konnte zwar kommen, sah Liv aber höchstens im Garten herumrennen. Sie wollte alleine sein, mit sich alleine spielen und keinen Kontakt zu Menschen haben. Meine Wohnung wurde während meiner Abwesenheit zerstört.. Trotz allen Bemühungen, Hilferufe bei Tierärzten und Hundetrainer konnte ich Liv bis Heute nicht komplett von ihren Ängsten befreien. Ich möchte mit dieser Serie über Angst also zeigen, dass auch gute Umstände und die besten Hundehalter ängstliche Hunde haben können. Mit vielen Tricks, viel Zeit und Geduld und diversen Hilfen hatte ich Liv irgendwann soweit, dass sie mir vertraut. Dieses Vertrauen ist für einen solchen Hund das grösste Geschenk das er jemandem geben kann!


Was kannst Du also gegen solche Angstzustände machen und wie erkennst Du, ob Dein Hund Angst hat? Erfahre in meinem nächsten Bericht mehr darüber!


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