Akupunktur beim Hund – Die heilende Wirkung von Nadeln

Akupunktur beim Hund – Die heilende Wirkung von Nadeln

 

Bei der Akupunktur handelt es sich um eine Therapiemethode aus China, deren Beginn auf rund 16'000 vor Christus zurückgeht. Zur Anwendung der Akupunktur bei Tieren wurden erste Hinweis um 900 vor Christus gefunden.

 

Der Begriff "Akupunktur" wird abgeleitet vom lateinischen acus = Nadel und pungere = stechen.

 

Ein Akupunkturpunkt bei einem durchschnittlich-grossen Labrador hat in etwa die Grösse von einem 50-Rappenstück.

 

 

Wie wirkt Akupunktur?

 

Die Akupunktur erzielt eine Sofortwirkung und eine Langzeitwirkung. Die Sofortwirkung besteht darin, dass es durch den Stich mit der Nadel im Gewebe zur Freisetzung von chemischen Stoffen kommt, die analgetische Wirkung besitzen. Dies erkennt man daran, dass sich um den Nadelstich das Hautareal leicht rötet. Die Langzeitwirkung funktioniert anders als die Sofortwirkung. Hierbei werden nach einer Akupunkturbehandlung Hormone ausgeschüttet, deren Wirkung sich derjenigen des Morphiums ähneln. Man sagt auch, wenn das Qi fliesst, hat dies eine entspannende Wirkung auf das Tier.

 

 

Ziele der Akupunktur?

 

Das Ziel einer jeden Akupunkturbehandlung ist es, Blockaden zu lösen und so den Qi-Fluss anzuregen. Das Qi ist die "Lebenskraft" und wenn diese nicht mehr fliessen kann, entstehen Probleme. Durch die gezielte Stimulation von entsprechenden Akupunkturpunkten werden die im Körper vorhandenen Energien umverteilt und so harmonisiert.

 

Die Akupunktur kann keine neue Energie erschaffen, sie kann aber vorhandene Energien umverteilen und den Körper zur besseren Nutzung der vorhandenen Energien und zur optimaleren Aufnahme z. B. der Nahrungsenergie anregen.

 

 

Was sagt die Wissenschaft zur Akupunktur?

 

Alle Akupunkturpunkte weisen einen ca. 90% niedrigeren Hautwiderstand auf. Durch Messung dieses Hautwiderstandes kann man also Akupunkturpunkte genau lokalisieren. Beim Tier funktioniert diese Messung leider nur, wenn das Tier komplett rasiert wird, was wohl die wenigsten Besitzer möchten. Man kann durch diesen niedrigeren Hautwiderstand die Akupunkturpunkte mit einiger Übung aber auch fühlen. Zudem befinden sich fast alle Akupunkturpunkte an Stellen, wo die Nerven durch die Faszien austreten.

 

 

Wie läuft eine Akupunkturbehandlung ab?

 

Je nach Problem bleiben die Akupunkturnadeln 30 – 90 Minuten im Hund. Es versteht sich also von selber, dass man unbedingt eine ruhige und entspannte Atmosphäre benötigt um den Hund optimal behandeln zu können. Ich therapiere die Hunde am liebsten zuhause auf deren Lieblingsliegeplatz, wo sie sich vollkommen entspannend können.

 

Die Entspannung ist zudem wichtig, da eine entspannte Muskulatur es dem Qi ermöglich einfacher zu fliessen und somit für den Therapieerfolg massgebend ist. Wenn sich der Hund z. B. in der Praxis total verspannen würde, ist es kaum verwunderlich, dass die Therapie nicht bzw. kaum anschlägt, da die verspannte Muskulatur wie eine Blockade hemmend auf den Qi-Fluss einwirkt.

 

Am Anfang steht immer ein ausführliches Anamnesegespräch, wo alle Probleme körperlicher und geistiger Natur besprochen werden. In meinen Behandlungen ist es zudem so, dass ich auch immer eine physiotherapeutisch-osteopathische Betrachtung des Hundes durchführe, da z. B. Probleme mit dem Kniegelenk auch eine energetische Blockade nach sich ziehen können und die Behandlung einfach besser wirkt, wenn man manuelle Therapien mit energetischer Therapie (Akupunktur) kombiniert.

 

Nachdem der Hund komplett betrachtet wurde, beginne ich mit einer entspannenden Kurzmassage um den Kontakt zum Hund zu finden und eine entspannende Wohlfühlatmosphäre schaffen. Anschliessend werden je nach Problem 5 – 10 Nadeln gesetzt. Der Einstich geschieht schnell und fast schmerzlos, die meisten Hunde tolerieren dies sehr gut, vorallem wenn der Besitzer selbst auch ruhig bleibt und dem Hund signalisiert "alles ist in Ordnung".

 

Nachdem die Nadeln gesetzt sind, bleibe ich beim Patienten bis die nötige Therapiedauer abgelaufen ist und dann ziehe ich die Nadeln wieder. Die Nadeln sind sterile Einmalnadeln, welche nach der Therapie entsorgt werden. Es soll auch Therapeuten geben, welche den Patientenbesitzern mit seinem Hund alleine lassen, wenn die Nadeln gesetzt sind. Dies ist eine Vorgehensweise, die ich nicht empfehlen kann und selber auch nie praktizieren würde. Mir als Therapeutin ist es wichtig, meine Patienten von A-Z zu begleiten und deren Reaktion auf die Nadelung beobachten zu können. Ausserdem kann es vorkommen, dass wenn sich der Hund bewegt, die Nadeln sich etwas in ihrer Position verschieben und ich diese dann umgehend wieder korrigieren kann.

 

Nach der Behandlung möchten die meisten Hunde die Entspannung noch etwas nachwirken lassen und bleiben auf ihrem Liegeplatz liegen. Diese Zeit soll man ihnen dann auch lassen. Einem entspannten Spaziergang nach der Therapie steht nichts im Weg.

 

 

Aber mein Hund mag keine Nadeln!

 

Auch hier gibt es Alternativen. Allen voran ist es die Stimulation der Akupunkturpunkte mit gebündeltem Laser-Licht. Der invasive Stich entfällt, aber man hat dennoch die Tiefenwirkung des Lasers. Ich nütze die Laserakupunktur sehr gerne auch im Bereich der Gliedmassen, da gerade dort nicht sehr viel Muskulatur vorhanden ist und der Nadelstich dort eher schmerzhaft ist als z. B. im Rückenbereich, wo sich viel Muskulatur befindet.

 

Bei den verschiedenen Lasergerten gibt es enorme Preisunterschiede. Hier gilt es darauf zu achten, dass der Therapeut mit einem medizinischen Gerät arbeitet und nicht mit einem normalen Laserpointer, da diesem die nötige Tiefenwirkung fehlt.

 

 

Wie oft muss ich denn mit meinem Hund zur Akupunkturbehandlung?

 

Dies kommt sehr auf das Problem des Hundes an. Bei akuten Sachen geschehen wie z. B. juckendem Hautausschlag ist eine 2-malige Behandlung pro Woche angebracht. Bei chronischen Problemen oder einfach zur Erhaltung der Gesundheit sind höheren Behandlungszyklen von rund einmal im Monat angebracht. Ich arbeite selber gerne so, dass ich bei neuen Patienten zu Beginn eine etwas höhere Frequenz wähle (z. B. 1 x pro Woche im ersten Monat), so dass man sanft therapieren kann und den Hund nicht mit zuviel Selbstregulation überfordert und sich dem Problem so von allen Seiten her nähern kann. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Hier ein Fallbeispiel von einem Doggenrüden mit massiver Angstproblematik (1. August), Mitralklappeninsuffizienz und Rückenproblemen: http://www.tiertherapiezentrum-renz.ch/wp-content/uploads/2015/12/Fallbeispiel-Hund.pdf

 

 

Bei welchen Problemen kann die Akupunktur helfen?

 

Hier eine mögliche (nicht abschliessende) Aufzählung bewährter Indikationen der Akupunktur:

 

 

-        Probleme des Bewegungsapparates: Muskuläre Dysbalancen, Sehnen- und Bändererkrankungen, Gelenksprobleme und –veränderungen, Lahmheiten, Bandscheibenerkrankungen, Verspannungen, schlaffe Muskulatur, Hüft- und Ellenbogendysplasie, Spondylose, Spondylarthrose, Mühe beim Muskelaufbau, Paresen

-        Innere Erkrankungen: Atemwegserkrankungen, Verdauungsbeschwerden, Zyklus- und Trächtigkeitsprobleme bei weiblichen Tieren, Herzerkrankungen, Stärkung des Immunsystems, Husten, Zahn- und Zahnfleischprobleme, Augenerkrankungen, Durchfall, Mastitis, Ödeme, Allergien, hormonelle Probleme, Störungen des Urogenitaltraktes, Morbus Cushing, Morbus Addison, Inkontinenz

-        Dermatologische Erkrankungen: Ekzeme, Futtermittelunverträglichkeiten, Hot Spots, Wundheilung

-        Neurologische Störungen: Erkrankungen des zentralen und/oder peripheren Nervensystems, Epilepsie

-        Psychische Ungleichgewichte: Übersteigertes Angstverhalten, übersteigertes aggressives Verhalten, rasseuntypisches Verhalten, welches von der Norm abweicht, Stereotypien, Hypersexualität, Hyposexualität bei Deckrüden, Traumbewältigung

-        Schmerztherapie: Schmerzlinderung bei degenerativen Krankheiten (z. B. Arthrose), Schmerzlinderung während des Heilungsverlaufes einer schweren Krankheit, Schmerzlinderung nach akuter Überbelastung (z. B. im Rückenbereich)

 

 

Kann ich meinen Hund auch mit Akupressur unterstützen?

 

Ja, unbedingt! Die Akupressur ist die sanfte Stimulation der Akupunkturpunkte mit den Händen. Diese eignet sich sehr gut um zwischen den Therapien selbst tätig zu sein. Ich zeige meinen Kunden jeweils welche Punkte für ihren Hund die richtigen sind, denn aus der Auswahl von über 360 Punkten ist es nicht einfach, den richtigen zu finden.

 

Die Akupunktur ist also eine ideale Therapieform für alle Hunde (Katzen, Pferde, Kühe etc.), mit der man sanft aber langfristig den Organismus in seinem Gleichgewicht unterstützen kann.

 

 

 

 

Sabrina Renz

Ganzheitliche Tiertherapeutin

Foto: Stefan Lüthi

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